04 Aug

Internationale Wettbewerbsfähigkeit

Internationale Wettbewerbsfähigkeit

13,2 Punkte und 8,3 Rebounds pro Partie als Karrierewerte in der NBA. So lauten die Referenzen von Greg Monroe, dem spektakulärsten Neuzugang des Deutschen Meisters Bayern München. Diese Zahlen können sich sehen lassen, vor allem wenn bedenkt, dass die Grundlage dafür in neun Spielzeiten gelegt wurde. Der Linkshänder ist ein gestandener NBA-Profi. Sein Transfer in diesem Sommer unterstreicht erneut die Ausnahmestellung der Bayern, die die über die materielle Ausstattung verfügen, um solch spektakuläre personelle Duftmarken zu setzen. Mit Josh Huestis, Diego Flaccadori und Mathias Lessort haben sich die Bayern darüber hinaus hochkarätig aus dem Ausland verstärkt. Dazu soll die Rückkehr von Paul Zipser unmittelbar bevorstehen.

Im Gegensatz dazu sind die finanziellen Möglichkeiten der anderen deutschen Vereine im Vergleich zu den internationalen Spitzenteams weiterhin begrenzt. Natürlich gab es bislang auch die eine oder andere interessante Verpflichtung, aber außer dem nach Berlin wechselnden Tyler Cavanaugh (50 NBA-Einsätze) war bisher kein Spieler dabei, der der breiten Öffentlichkeit sofort ins Auge sticht. Im Gegenzug verlor die Liga viele ihrer besten Akteure ins europäische Ausland. Dass der Sensationsaufsteiger Vechta sein explosives Außenspieler-Duo mit T.J. Bray und Austin Hollins nicht würde halten können, war erwartet worden. Bray bleibt der Bundesliga zumindest erhalten und wechselte zu Bayern München, während Hollins beim Euroleague-Konkurrenten des Deutschen Meisters Zenit Sankt Petersburg anheuerte. Genauso wenig überraschte es, dass es Bambergs hochdekorierten Spielmacher Tyrese Rice für seine letzte Spielzeit noch einmal in die europäische Königsklasse zog. Der 32Jährige unterschrieb bei Panathinaikos Athen. Will Cummings, der wertvollste Spieler der vergangenen Saison, verließ Oldenburg und verdient seine Brötchen zukünftig in Russland.

Alle diese Wechsel waren ein Stück weit vorprogrammiert. Dass der Deutsche Meister Bayern München jedoch drei seiner Leistungsträger an die kontinentale Konkurrenz verlor, ließ aufhorchen. Ex-NBA-Star Derrick Williams hatte immer wieder bekundet, dass in Europa kein anderer Verein für ihn in Frage käme, entschied sich dann aber doch für Fenerbahce Istanbul. Spielmacher Stefan Jovic und Center Devin Booker nahmen ein Angebot von Khimki Moskau wahr, einem Club, der ebenfalls in der Euroleague an den Start geht, aber in der vergangenen Spielzeit hinter den Bayern ins Ziel kam. Obwohl Khimki im Großraum Moskau hinter ZSKA nur die Nummer zwei ist, verfügen die Russen über gewaltige materielle Ressourcen, Starspieler Alexey Shved erhält über drei Millionen Euro netto pro Saison.

Von solchen Summen sind selbst die Münchner als finanziell mit Abstand potentester Bundesligaverein noch weit entfernt, auch wenn der Gesamtetat für die kommende Spielzeit bei ca. 25 Millionen Euro liegen soll. Zum Vergleich: ZSKA Moskau gab bekannt, dass das Budget nur für Gehälter inklusive 13% Steuern in der kommenden Spielzeit 26 Millionen Euro betragen wird.

Mit Johannes Voigtmann unterschrieb der beste deutsche Basketballer außerhalb der NBA beim Euroleaguechampion. Nach drei Jahren in Spanien wäre die Rückkehr des Ex-Frankfurters nach Deutschland ein Paukenschlag gewesen und für die Aushängeschilder München und Berlin eine riesige Verstärkung, da in der Bundesliga immer sechs deutsche Akteure auf dem Spielberichtsbogen stehen müssen.

Aber mittlerweile haben die Bayern gezeigt, dass sie nicht gewillt sind, im Transferpoker klein beizugeben. Zunächst gaben die Münchner die Verpflichtung von Josh Huestis bekannt. Der neue Forward trägt das Gütesiegel NBA, bestritt 76 Einsätze für den Oklahoma City Thunder. Unmittelbar darauf legte der Deutsche Meister nach und verkündete Monroe. Mittlerweile kamen noch Flaccadori und Lessort hinzu.

Der Deutsche Meister ist ganz offensichtlich in der Lage, renommierte Spieler anzulocken, was bedingt auch noch für Berlin gelten mag. Dem Rest der Bundesliga fehlt es aber an finanzieller Substanz, um einen großen Wurf zu landen. Vielleicht kann ein Erfolg der Nationalmannschaft bei der WM in China im September weitere Geldgeber für den Basketball begeistern, wo doch die Rahmenbedingungen vielversprechend aussehen.

In den nächsten beiden Jahren finden internationale Großereignisse in Deutschland statt.

Das Final Four der Euroleague wird im Mai 2020 in der Kölner Lanxess Arena ausgetragen, eine Vorrundengruppe der mittlerweile EuroBasket genannten Europameisterschaften wird 2021 an gleicher Stätte ausgespielt, die Finalrunde dann in Berlin. Die deutschen U-20-Basketballer haben den Vorjahreserfolg wiederholt und bei den Europameisterschaften in Israel die Bronzemedaille gewonnen. Verbandspräsident Ingo Weiss formulierte danach keck: „Da kann ich mich gerne dran gewöhnen, dass unsere Nachwuchsnationalmannschaften mit Medaillen von den Europameisterschaften zurückkehren.“ Diese Aussage spiegelt die Entwicklung im deutschen Basketball wider und unterstreicht gleichzeitig das gewachsene Selbstbewusstsein.

Wie schon bei der Heim-EM 2018 konnte der DBB-Nachwuchs nicht in Bestbesetzung auflaufen, was die Erfolge umso bemerkenswerter macht. Die besten Akteure waren jeweils nicht dabei. So verzichtete vor einem Jahr Isaiah Hartenstein (Houston Rockets), dieses Mal fehlte Isaac Bonga (Washington Wizards). Hartenstein wird auch im September bei der Herren-WM in China nicht im Team stehen, da er erneut seine NBA-Ambitionen in den Vordergrund stellt. Dennoch könnte die deutsche Mannschaft beim Saisonhöhepunkt mit Bonga, Dennis Schröder, Maximilian Kleber, Daniel Theis und Moritz Wagner immerhin fünf Profis aus der besten Liga der Welt an den Start bringen. Mit etwas Glück könnte für das deutsche Team sogar eine Medaille herausspringen.

Euer

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