27 Nov

Die Bedeutung von Lo, Zipser und Barthel für die Bayern

Die Bedeutung von Lo, Zipser und Barthel für die Bayern

Wer in der Euroleague antritt, benötigt einen tiefen und qualitativ hochwertigen Kader. Das war auch den Verantwortlichen des Deutschen Meisters Bayern München bewusst, als sie im Sommer eine Mannschaft zusammenstellten, die der Doppelbelastung der europäischen Eliteklasse und der Bundesliga gerecht werden sollte. Zwölf Spieler dürfen pro Begegnung eingesetzt werden.14 Akteure stehen in München unter Vertrag, die man auf diesem Niveau einsetzen kann. Ein Kader, wie es ihn bei einer deutschen Mannschaft noch nie gab. Dennoch spüren die Bayern schon jetzt, wie anstrengend diese Saison mit mindestens 67 Pflichtspielen sein wird. Mit dem neuen Spielmacher T.J. Bray und dem NBA-erfahrenen Forward Josh Huestis haben zwei Schlüsselfiguren verletzungsbedingt noch kein einziges Spiel bestritten. Bei Bray wird es wohl bis Ende des Jahres dauern, bevor an erste Ansätze zu denken ist. Huestis Rückkehr ist ein Mysterium. Immer wieder gab es Meldungen, dass er kurz vor dem Comeback stünde. Bewahrheitet haben sie sich bislang nicht. Zuletzt musste dann auch noch der zuverlässige Nihad Djedovic mit einer Kniereizung passen.

In der Euroleague muss man auswärts gewinnen

Doch das große Ziel der Playoff-Teilnahme in der Euroleague können die Bayern nur mit voller Kapelle erreichen, und wenn sie es schaffen, auswärts zu gewinnen. Der Deutsche Meister holte seine vier Siege ausschließlich zu Hause (leistete sich aber auch schon zwei Heimniederlagen) und landete dabei den Prestigeerfolg gegen Real Madrid. Auf fremdem Terrain sind die Schützlinge von Dejan Radonjic aber noch sieglos. Genau hier dürfte sich die Spreu vom Weizen trennen. Die Mannschaften, die auch auswärts gewinnen können, werden in die Playoffs einziehen.

Die Münchner haben kräftig aufgerüstet, aber Gleiches gilt für fast alle Euroleague-Teams. Die Qualität ist so hoch wie noch nie zuvor. Da tut es besonders weh, dass mit Bray ausgerechnet der Starter auf der Königsposition länger ausfällt. Auf der anderen Seite hat Maodo Lo die Chance beim Schopf ergriffen. Der Nationalspieler zeigt sich in einer blendenden Verfassung und legt wieder jene Leichtfüßigkeit an den Tag, die ihm zwischenzeitlich einmal abhandengekommen zu sein schien. Ob er es allerdings bis zum Jahresende schafft, diese Rolle auszufüllen, ist fraglich, auch weil der als Bray-Ersatz verpflichtete DeMarcus Nelson bislang nur partiell überzeugen konnte. Dennoch verneinen die Bayern Spekulationen, dass sie auf dieser Position noch nach einer Verstärkung Ausschau halten.

Am Brett hingegen sind die Münchner stark aufgestellt. Greg Monroe findet sich immer besser im europäischen Basketball zurecht. Der in neun NBA-Spielzeiten gestählte Center entwickelt sich zu einer dominanten Figur und zeigt zudem als Passgeber ungeahnte Fähigkeiten. Aber der Kader der Bayern ist nicht komplett auf den kurzfristigen Erfolg getrimmt. Mit dem Franzosen Mathias Lessort (24 Jahre) und dem Italiener Diego Flaccadori (23 Jahre) haben zwei Ausländer ihren Platz eher über vielsprechende Perspektiven als über aktuelles Euroleague-Niveau gefunden. Umso wichtiger sind die Leistungen der drei deutschen Nationalspieler Maodo Lo, Paul Zipser und Danilo Barthel.

Maodo Lo

Maodo Lo spielt den besten Basketball seiner Karriere und ist momentan der wichtigste Mann der Bayern. Wie er seit Saisonbeginn den Ausfall von T.J. Bray in der Euroleague kompensiert, ist beeindruckend. Seine Dreierquote ist herausragend. Der 26Jährige kommt mit seiner Leichtfüßigkeit zum Korb und kann sich den Dreier aus dem Dribbling kreieren. Mir gefällt nicht nur extrem gut, wie er sich bei diesen Aktionen präsentiert, sondern auch danach. In einer Zeit, in der die Selbstdarstellung mit übertriebener Gestik und Mimik zum Standard gehört, in der ein echter oder vermeintlicher Swagger zur Schau gestellt werden muss, empfinde ich seine bescheidene Zurückhaltung als äußerst angenehm. Die Leistungen des Guards sind ein Thema in Europa. Dementsprechend dürfte die von den Bayern angestrebte Vertragsverlängerung nicht einfach werden.

Paul Zipser

Angesichts der Verletzungsproblematik in der jüngeren Vergangenheit kam es nicht überraschend, dass die WM für Paul Zipser nur suboptimal verlief. Aber der Richtungspfeil zeigt jetzt wieder gen Norden. Der 25Jährige ist kein Spezialist, sondern eher ein Schweizer Taschenmesser, bei dem langsam aber sicher alle Klingen wieder an Schärfe gewinnen. Zipser kann offensiv wie defensiv drei verschiedene Positionen spielen. Als großer Zweier kann im Low Post Schaden anrichten, als Small-Ball-Vierer Close-outs effektiv attackieren, so dass ihn Dejan Radonjic von seiner Stammposition Small Forward bedenkenlos nach unten oder oben schieben kann. In der BBL ist er bester Scorer und effektivster Spieler der Bayern, und auch international spielt er sich immer mehr in den Vordergrund.

Danilo Barthel

Glue Guy – dieser Begriff wurde in meiner Erinnerung im deutschen Basketball erstmals für den heutigen Bundestrainer Henrik Rödl verwendet. Er definiert einen Spieler, der eine Mannschaft zusammenhält, weil er nicht für das Spektakuläre verantwortlich zeichnet, sondern als „Klebstoff“ die Teile dadurch miteinander verbindet, indem er alle (vermeintlichen) Kleinigkeiten richtig macht. Genau dieser Typ ist in meinen Augen Danilo Barthel für die Bayern. Viele hätten ihn bei der WM gerne häufiger auf dem Parkett gesehen, aber die Konkurrenz auf den großen Positionen war enorm. Barthel kann im Prinzip jeden Power Forward aufposten. Er hat den Körperschwerpunkt immer da, wo er hingehört, verfügt über gute Fußarbeit, geduldige Täuschungen und die Fähigkeit am Ring mit beiden Händen abzuschließen. Barthel ist ein Souverän auf dem Feld, ohne dass er permanent Aktionen setzen muss. Der 28Jährige ist der gestandene Kapitän einer Meistermannschaft, der über die Klasse verfügt, jederzeit dem Spiel seinen Stempel aufzudrücken.

Lo, Zipser und Barthel tragen ganz entscheidend zur Qualität der Münchner bei. Das DBB-Trio steht in der Crunch-Time nicht in der zweiten Reihe, sondern übernimmt Verantwortung und wird dieser auch gerecht. Vor allem Maodo Lo brilliert in diesen Momenten mit seinen technischen Fertigkeiten und seiner Nervenstärke. Er hat das Zeug zu einem echten Clutch-Player.

Euer

10 Nov

Crailsheim überrascht mit hungriger Mannschaft und Teamplay

Crailsheim überrascht mit hungriger Mannschaft und Teamplay

In der vergangenen Saison gehörten Rasta Vechta die Schlagzeilen. Der Aufsteiger aus der niedersächsischen Provinz kreierte einen eigenen Stil und schloss die Spielzeit sensationell auf Platz vier ab. Der zweite Neuling, die Hakro Merlins Crailsheim, flogen hingegen fast die gesamte Saison unter dem Radar der öffentlichen Wahrnehmung. Lediglich am letzten Hauptrundenwochenende stand das Team im Rampenlicht, als es den fast schon sicheren Abstieg durch zwei Siege in Jena und gegen Oldenburg verhinderte. Den letzten Spieltag am 12. Mai bezeichnet Head Coach Tuomas Iisalo gerne als „magischen Tag“. Aber auch diese Einschätzung kann nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Crailsheimer nur mit viel Glück und in letzter Sekunde dem Abstieg entgehen konnten. Die Mannschaft war überaltert und wenig athletisch.

Entsprechend entschieden sich Sportdirektor Ingo Enskat und sein finnischer Cheftrainer bei der Zusammenstellung des neuen Kaders zu einer Radikalkur. Mit DeWayne Russell und Sebastian Herrera blieben lediglich zwei Akteure der Vorsaison. Auf der Bank wird der 37jährige Iisalo jetzt von seinem vier Jahre jüngeren Bruder Joonas assistiert. Die Umstrukturierung ist offensichtlich erfolgreich. Nach fünf Spieltagen standen die Hakro Merlins Crailsheim ungeschlagen an der Tabellenspitze. Zwar gab es zuletzt zwei Niederlagen gegen starke Oldenburger und Ludwigsburger, aber den positiven Gesamteindruck kann das nicht eintrüben.

Radikale Verjüngungskur

Für den Head Coach war die neue Zusammenstellung eine bewusst gewählte Herausforderung. „Tuomas ist ein analytischer und taktischer Trainer. Vielleicht hat er deshalb zuvor eher zu erfahrenen Spielern tendiert. Aber jetzt hat er viel Spaß mit dieser hungrigen Mannschaft, die alles aufsaugt“, sagt Enskat, der gerne darauf verweist, dass die Mannschaft mit einer enormen Intensität trainiert. Nachdem Crailsheim in der Vorsaison die älteste Truppe stellte, ist im aktuellen Team kein Spieler älter als 26 Jahre. Bei den neuen Ausländern achtete man besonders auf Athletik und Verteidigungsqualitäten. Defensiv ist die Mannschaft tatsächlich solide, aber trotz ihrer vielen Ballgewinne brilliert sie bislang noch mehr mit ihrer Offensive. Mit 94,1 Punkten pro Partie legen die Iisalo-Schützlinge nur ganz knapp hinter Berlin den zweitbesten Wert der Liga auf.

Ihre beeindruckendsten Auftritt hatten sie am dritten Spieltag in Bonn, wo sie den Gastgebern beim 82:114 die höchste Heimniederlage der Vereinsgeschichte zufügten. Wie hoch diese Leistung zu bewerten ist, zeigte sich zwei Tage später, als die Bonner völlig überraschend den Deutschen Meister Bayern München aus dem Pokalwettbewerb warfen.

Extrapässe und Dreier

Der Crailsheimer Angriff zeichnet sich in erster Linie durch schnelle Ballbewegung aus. Mit uneigennützigem Passspiel werden immer wieder die guten Werfer in Position gebracht. Dabei erinnert die Offense ein wenig an die Bamberger unter Andrea Trinchieri. Über eine Penetration oder ein Pick and Roll wird ein erster Vorteil kreiert, der über Extrapässe weiter ausgebaut wird.

Grundsätzlich muss man gegen Crailsheim die Dreipunktelinie kontrollieren. Kein Team punktet häufiger von Downtown als die Hohenloher. Mit 41,2% ist die Quote gut, vor allem wenn man bedenkt, dass die Merlins mehr als 30 Dreier pro Partie nehmen.

Aufsteiger Herrera

Für die Spieler selbst scheinen die Erfolge nicht überraschend zu kommen. Bereits nach dem Auftaktsieg in Gießen sagte der junge Kapitän Herrera, dass aus seiner Sicht die neue Mannschaft von der ersten Sekunde an „geklickt“ habe. Der Sohn einer deutschen Mutter und eines chilenischen Vaters ist einer der Aufsteiger der ersten Saisonwochen. 2014 spielte er mit der chilenischen Jugendnationalmannschaft ein Turnier in Deutschland, womit seine Karriere im Heimatland der Mutter begann. Über Trier führte sein Weg nach Crailsheim, wo er in seiner ersten Bundesligasaison 4,5 Punkte pro Partie erzielte und als ein reiner Dreipunktespezialist galt. In den ersten sieben Spielen der aktuellen Spielzeit gelangen ihm 15,3 Zähler im Schnitt mit einer surrealen Dreierquote von 64,3%. Aber Herrera ist nicht nur als Scorer aufgetreten. In Sommer arbeitete er hart daran, seinem Repertoire neben dem Distanzwurf weitere Dimensionen hinzuzufügen. „Seba hat sich vor allem defensiv stark verbessert“, lobt Enskat den Deutsch-Chilenen.

Mittelfristig fehlt die Basis

Hungrig, uneigennützig und wurfstark – die Crailsheimer Mannschaft präsentiert sich bislang hochfunktional. Für einen mittelfristigen Höhenflug sind die Voraussetzungen aber nicht gegeben. Mit nur 34 000 Einwohnern verfügt die Stadt im fränkisch geprägten Nordosten Baden-Württembergs über keine ausreichende Basis. Die außerhalb gelegene Arena Hohenlohe ist eine Mehrzweckhalle, in der auch Viehauktionen stattfinden. Entsprechend gehört für den jahrelangen Macher Martin Romig eine neue Spielstätte zu den wichtigsten Themen. Auch wenn der Crailsheimer Höhenflug nach den letzten beiden Niederlagen erst einmal gestoppt ist: Der Aufstand des kleinen gallischen Dorfes bietet eine Facette, die der Liga guttut.

Euer

27 Okt

Hundt, Herrera, Braunschweig und Crailsheim

Hundt, Herrera, Braunschweig und Crailsheim

Zum ersten Mal in dieser Saison beantworte ich eure Fragen. Vielen Dank für eure Einsendungen. Final sind es dann nur drei Fragen geworden, weil es mir wichtiger war, ausführlich zu antworten als viele Themen nur kurz anzureißen.

Welcher 21Jährige überrascht Dich mehr: Göttingens Bennet Hundt als bester Assistgeber der Liga oder Sebastian Herrera als effektivster Spieler des Überraschungszweiten Crailsheim?

Beide überraschen mich positiv. Aber um die Frage zu beantworten: Seba Herrera noch mehr als Bennet Hundt. Bei dem Ex-Berliner hatte ich eine Vorstellung, was er zu leisten im Stande ist. Ich habe ihn als Jugendnationalspieler und bei seinen Einsätzen mit den Albatrossen verfolgt. Mir war bewusst, dass er seine geringe Körpergröße mit einem hohen Maß an physischer und mentaler Toughness ausgleichen kann. Der Linkshänder ist von seiner Einstellung her der Traum eines jeden Coaches. Ich hätte aber nicht erwartet, dass es so herausragend für ihn in Göttingen laufen würde. Er ist im Moment der wichtigste Spieler bei den Niedersachsen.

Herrera ist ein Basketballer, der bislang unter dem Radar, auch unter meinem persönlichen, geflogen war. Okay: chilenischer Nationalspieler, aber in seiner ersten Saison im Oberhaus war er eher unauffällig unterwegs. Der 21Jährige war als reiner Shooter abgestempelt. Aktuell zeigt er, wie viel mehr er auf dem Kasten hatten. Herrera attackiert den Korb auch mit seiner vermeintlich schwächeren linken Hand effektiv. Dazu kommt seine Steigerung in der Verteidigung, wo er sowohl im 1-1 als auch in der Teamdefense im Vergleich zur Vorsaison draufgepackt hat. Das alles spricht für harte Arbeit im Sommer. Seine Berufung zum Kapitän zeigt, welche Bedeutung er für Tuomas Iisalo schon hat. Hundt und Herrera sind talentierte Spieler, aber ihr Charakter und ihre Mentalität sind noch bemerkenswerter.

Wie schätzt Du Braunschweigs Mischung aus Veteranen und jungen deutschen Spielern nach den ersten Spielen ein?

Braunschweig gefällt mir sehr gut. So wie die Mannschaft bislang gespielt hat, verfügt sich über Playoff-Potenzial. Zur Mischung: Mit Scott Eatherton steht auf der Veteranenseite ein konstanter Performer, der starke Zahlen auflegt. Der Center ist der beste und wichtigste Spieler, aber aufgrund seines ruhigen Naturells fordert er keine große Aufmerksamkeit, was dem Team von Pete Strobl sehr guttut. Trevor Releford hat mich schon beim MBC beeindruckt. Der neue Point Guard spielt sehr abgeklärt und ist sich auch nicht zu schade, in der Verteidigung seinen Job zu verrichten. Seine Playmaking-Qualitäten entlasten ohne Frage Thomas Klepeisz, der für mich der dritte wichtige Veteran der Löwen ist. Der Österreicher ist ein gutes Vorbild für die jungen Deutschen, weil er sich über Arbeit stetig verbessert hat und ihnen auch als Ansprechpartner in der Muttersprache zur Verfügung stehen kann.

Kommen wir zu den jungen Spielern: Lars Lagerpusch ist das Eigengewächs. Er dürfte aber auch mittelfristig nicht über eine kleine Rolle hinauskommen. Lukas Wank und Garai Zeeb sind Konkurrenten auf der Guardposition. Bislang sind beide solide aufgetreten und haben zusammen mehr als 30 Minuten pro Partie auf dem Parkett gestanden. Das ist mehr als ich erwartet hätte.

Die Kronjuwelen heißen aber Kostja Mushidi und Karim Jallow. Mushidi füllt die Rolle des Scorers von der Bank exzellent aus und markiert 13 Zähler in 17 Minuten. Diese Aufgabe scheint ihm zu liegen. Obwohl er vom Talentlevel her ein Starter gewesen wäre, wurde er teilweise schon in den Jugendnationalmannschaften so eingesetzt. Dazu kommt, dass er für einen Guard exzellent reboundet und keine Angst vor großen Würfen hat, was der Gamewinner gegen Ulm unterstreicht. Er kann genauso wie Karim Jallow ein Leistungsträger werden. Im Prinzip sind es beide schon, es fehlt noch die Bestätigung über einen längeren Zeitraum. Jallow wirft 50% aus dem Feld und schafft es mit seiner Athletik immer wieder, an die Freiwurflinie zu gehen. Der 22Jährige ist vielseitig und kann in einer Smallball-Formation den Power Forward spielen.

Fazit: Die Braunschweiger Mischung gefällt mir ausgesprochen gut!

Ist Crailsheim wirklich richtig gut oder sorgt für den zweiten Tabellenplatz vor allem das leichte Auftaktprogramm mit Gießen, Bayreuth, Bonn und Göttingen?

Ich schließe mit dieser Frage, weil es die ist, die mir aktuell mit Abstand am häufigsten gestellt wird.

Sicherlich war das Crailsheimer Auftaktprogramm nicht sonderlich schwer, aber die Art und Weise wie die Mannschaft aufgetreten ist, hat mir imponiert. Das ist guter Teambasketball mit uneigennützigem Passspiel. Natürlich nimmt Crailsheim extrem viele Dreier, was die Frage aufwirft, was passieren wird, wenn die Quoten Richtung Süden tendieren. Aber die Mannschaft hat noch andere Anker. Derzeit sind die Merlins die Nummer 1 bei den Steals und die Nummer 2 bei den offensiven Rebounds. Der Paradigmenwechsel zeigt Wirkung. Diese hochfunktionale und hungrige Mannschaft ist für mich näher an den Playoffs als am Abstiegskampf.

Euer

14 Okt

Erste Einschätzungen nach drei Spieltagen

Erste Einschätzungen nach drei Spieltagen

Spanien ist das Maß aller Dinge im (europäischen) Basketball. In diesem Jahr gewannen die Iberer die Europameistertitel bei der U16 und der U18. Lediglich bei der U20 wurde es „nur“ der Vizetitel nach der Finalniederlage gegen Gastgeber Israel. Die spanischen Herren krönten den Sommer mit dem Gewinn der Weltmeisterschaft in China. Die Titel im Jugendbereich sind letztendlich nur ein Nebenprodukt, denn die Spanier bewerten in diesen Altersklassen die Spielerentwicklung höher als Titel.

Mit Aíto Garcia Reneses und Pedro Calles gewannen zuletzt zwei spanische Trainer die Auszeichnung „Coach of the Year“ in der BBL. Dafür waren natürlich die Erfolge Grundlage, aber es darf auch bemerkt werden, dass beide Basketballlehrer der Spielerentwicklung eine große Bedeutung zuweisen und einen Stil pflegen, der sich vom Mainstream absetzt. Aber 2019/2020 sind auch zwei spanische Spieler in der Liga aktiv. Die heißen zwar nicht Gasol, Rubio oder Hernangomez, aber der von Vechta ausgeliehene Sergi Garcia war immerhin U16- und U20-Europameister. Der Bamberger Neuzugang Aleix Font ist ebenfalls Guard und mit 21 noch ein Jahr jünger als Garcia. Auch er ist eine Leihgabe und gilt als großes Talent. Die Rechte von Garcia und Font liegen bei den Euroleagueteams Valencia und Barcelona. Von einem Trend zu sprechen, wäre zu früh, auch wenn ALBA schon 2017 mit dem Serben Stefan Peno ein Leihmodell mit dem FC Barcelona praktizierte. Zudem gibt es erst Nachahmer, wenn ein Projekt erfolgreich ist. Font hat noch keine Minute gespielt, während Garcia mit seiner Übersicht zu gefallen weiß, andererseits aber bislang auch katastrophale Wurfquoten aufweist.

Bester deutscher Nachwuchsspieler U22?

In der vergangenen Spielzeit ging diese Auszeichnung an den erst 17jährigen Franz Wagner, der als „Titelverteidiger“ aber ausfällt, weil er sich für einen Wechsel an die University of Michigan entschieden hat. Kommt sein Nachfolger auch aus Berlin, schafft es Jonas Mattiseck, Wagner zu beerben? Durch die Verletzungen auf den Guardpositionen hat der Linkshänder bislang viel spielen dürfen und dabei absolut überzeugt. Mit Bennet Hundt erhält ein Ex-Albatros jetzt in Göttingen seine erste große Bewährungschance. Bislang legt der 21Jährige 13 Punkte und den Ligabestwert von 9,7 Assists auf! Das ist deutlich mehr als man erwarten durfte. Kostja Mushidi etabliert sich in Braunschweig als Scorer von der Bank (13 Punkte in 16 Minuten Spielzeit) und reboundet dank seiner Athletik für einen Guard ganz ausgezeichnet. Louis Olinde (Bamberg) könnte endlich seinen lang erwarteten Durchbruch schaffen. Am Wochenende war er beim MBC der Matchwinner. Ariel Hukporti hatte ich auch auf dem Schirm, aber leider fällt das Ludwigsburger Centertalent derzeit verletzt aus. Philipp Herkenhoff, konnte sich bereits in den Playoffs der vergangenen Saison als echter Leistungsträger in Vechta etablieren und war deshalb vor Saisonbeginn mein Favorit für die Auszeichnung. Bislang konnte der 20Jährige aber noch nicht an diese Leistungen anknüpfen. Es verspricht ein spannendes Rennen um den Titel bester deutscher Nachwuchsspieler U22 zu werden!

Gewinner und Verlierer des Transfersommers

Die Bayern haben mit Greg Monroe an der Spitze weiter aufgerüstet. Das ist ein bärenstarkes Aufgebot, aber gibt es darin auch einen echten Floor General auf Euroleague-Niveau? Bonn hat mit Joshiko Saibou und Benjamin Lischka zwei deutsche Qualitätsspieler hinzubekommen. Das sieht erst einmal sehr gut aus, aber dafür gehen die Rheinländer genauso wie die Fraport Skyliners nur mit fünf Ausländern ins Rennen. Der letzte Auftritt der Bonner gegen Crailsheim war unterirdisch und gibt Anlass, die Qualität der neuen Ausländer zumindest zu hinterfragen.

Schaut man auf die verbesserte Tiefe heißt der Gewinner womöglich Oldenburg. Angesichts der Eurocup-Teilnahme mussten die Verantwortlichen an der Hunte personell zulegen. Mit dem Deutsch-Amerikaner Kevin McClain und Robin Amaize ist aus einer Achtmann- eine Zehnmannrotation geworden, was sich auch in der Liga auszahlen sollte.

In Weißenfels und vor allem in Crailsheim hat man offensichtlich gute Personalentscheidungen getroffen. Mit überschaubaren Budgets wurden an beiden Standorten hochfunktionale Teams zusammengestellt, die sich eher im Playoffrennen als im Abstiegskampf wiederfinden sollten. Auch Braunschweig sieht bislang sehr gut aus. Neben talentierten und hungrigen deutschen Spielern hat man mit Trevor Releford einen starken Pointguard verpflichten können.

Die JobStairs Giessen 46ers sind ein Verlierer der Personalrochaden. Mit Benjamin Lischka und Mahir Agva verloren die Hessen ihre nach John Bryant wichtigsten deutschen Spieler, ohne Ersatz dafür verpflichten zu können. Es scheint eher unwahrscheinlich, dass die Youngster Bjarne Kraushaar und Alen Pjanic schon in der Lage sein werden, diese Lücken komplett zu schließen. Die neuen Ausländer sind zwar athletisch, aber im europäischen Spielstil nur bedingt zu Hause. Auch RASTA Vechta musste erheblich bluten und verlor sein Startrio um T,J. Bray, Austin Hollins und Seth Hinrichs. Vor allem in der Offensive werden die Marley-Jünger diesen Verlust nicht so einfach verkraften können. Trotzdem sehe ich Vechta aber nicht als Abstiegskandidaten.

Euer

23 Sep

Vor dem Saisonstart: Auf diese Spieler solltet ihr achten

Vor dem Saisonstart: Auf diese Spieler solltet ihr achten

Ein Dienstag als Saisonstart – dies ist genauso gewöhnungsbedürftig wie das vorübergehende Format mit 17 Mannschaften.  Aber das sind nicht mehr als Randnotizen angesichts der Spieler, auf die wir uns freuen dürfen.

Der Dauerbrenner und der Rückkehrer

Beginnen wir mit dem Phänomen: Der ewige Rickey Paulding ist mittlerweile der älteste Spieler der Liga. Aber angesichts seiner Leistungen ist er kein Oldie, sondern ein Evergreen. Seit zwölf Jahren läuft der Amerikaner im Oldenburger Trikot auf und hat nicht nur wegen dieses langen Zeitraums einen immensen Einfluss auf die Liga gehabt. Paulding war Meister und Pokalsieger und wird von den Fans an allen Standorten verehrt, was die dreimalige Auszeichnung als Most Likeable Player unterstreicht.

Ich kann euch nur raten: Habt auch in dieser Spielzeit wieder ein Auge auf den Methusalem der Liga, der mit seinen 36 Jahren älter ist als die beiden Head Coaches Sebastian Gleim (Frankfurt) und Pedro Calles (Vechta).

Letzteres gilt auch für Heiko Schaffartzik, den Rückkehrer der Saison, zu dem die Öffentlichkeit allerdings ein deutlich ambivalenteres Verhältnis als zum Oldenburger Forward pflegt. Aber schreien nicht immer alle nach sogenannten Typen, nach Spielern, die sich aus der Konformität der Masse abheben? Heiko ist ein solcher Spieler – und ich weiß, wovon ich schreibe, denn ich durfte ihn coachen. Der gebürtige Berliner ist geradlinig, risikofreudig und kann ein Spiel drehen. Ich freue mich jedenfalls riesig, dass er mit 35 Jahren und nach vier Spielzeiten im Ausland noch einmal den Weg zurück nach Deutschland gefunden hat. Welcome back, Heiko!

Mit Assem Marei, der nach seinem einjährigen Türkei-Intermezzo in Bamberg nun seine zweite fränkische Station vor der Brust hat, gibt es einen weiteren interessanten Rückkehrer, aber in seiner Bedeutung reicht er nicht an Schaffartzik heran.

Die interessantesten Newcomer

Ich muss hier nicht die komplette Liste der bisherigen NBA-Spieler in der BBL aufführen, um zu belegen, dass mit Greg Monroe der bislang wahrscheinlich beste Akteur aus der US-Profiliga nach Deutschland kommt. Karrierewerte von 13,2 Punkten und 8,3 Rebounds bei 659 Auftritten zeugen von einer Qualität, die noch über der eines Bostjan Nachbar (Bamberg, 2012/2013) oder Derrick Williams (München, 2018/2019) liegen sollte. Hält diese Entwicklung an, dann ist es nur noch eine Frage der Zeit, wann LeBron James oder Stephen Curry in der BBL aufschlagen! Oder doch nicht?

Wäre Makai Mason auf den im Vergleich zum starken Frontcourt eher schwächer besetzten Guard-Positionen ein Spieler, der der deutschen Nationalmannschaft weiterhelfen könnte? Bislang war das schwer einzuschätzen, denn Mason hat zwar 15 Länderspiele bestritten, stand jedoch nie bei einem großen Turnier auf dem Parkett. Nach seiner College-Zeit beginnt er in Berlin seine Profilaufbahn. Er selbst und wir können uns bei seinen Auftritten in der BBL und in der Euroleague jetzt ein realistischeres Bild verschaffen, wozu er fähig ist.

Kostja Mushidi galt im unglaublich talentierten Jahrgang 1998 immer als größte Hoffnung hinter Isaiah Hartenstein. Nach einem Jahr in Frankreich und drei Spielzeiten in Serbien darf sich der Shooting Guard nun erstmals in Deutschlands höchster Spielklasse beweisen. Auch bei ihm geht es darum zu belegen, dass er ein Kandidat für die DBB-Auswahl sein kann.

Die spannendsten Projekte

Bleiben wir bei Mushidi, der in Braunschweig zusammen mit Karim Jallow, Lars Lagerpusch, Garai Zeeb und Lukas Wank die deutschen Minuten in der Rotation spielen wird. Keiner dieser Spieler ist älter als 22. Dazu trägt mit Pete Strobl ein Rookie die Verantwortung als Head Coach. Die Basketball Löwen haben Potenzial, aber das Pegel kann in beide Richtungen ausschlagen.

Das aufregendste individuelle Projekt haben die Ulmer im Programm. Ein Teenager als Starter auf der Spielmacherposition? Diese Konstellation hat in diesem Jahrzehnt in der Basketball-Bundesliga noch kein Verein ernsthaft angedacht. Doch jetzt möchte ratiopharm ulm diesen Weg mit dem 18jährigen Franzosen Killian Hayes gehen.

Die sechs deutschen WM-Teilnehmer

Für Maodo Lo sollte es in der kommenden Spielzeit darum gehen, sich stärker als Point Guard zu etablieren, da im Backcourt der Bayern eigentlich nur Combos unterwegs sind. Andreas Obst muss sich jetzt entscheiden, ob er ein Dreierspezialist sein möchte oder seinem Spiel weitere Facetten hinzufügen will. Wählt er erstere Option, sollte er an den 50% Trefferquote von Downtown kratzen. Paul Zipser möchte mittelfristig zurück in die NBA. Im Bayernkader wird er allerdings nur ein Rollenspieler sein. 2016 wurde er aufgrund seines Potenzials gedraftet, jetzt mit 25 muss er (auch statistisch) stark performen, um den Schritt ein zweites Mal zu gehen. Um Danilo Barthel mache ich mir eigentlich nie Sorgen. Er wird mit seiner Stabilität auch in der kommenden Saison ein unverzichtbarer Leistungsträger des Deutschen Meisters sein. Johannes Thiemann kam bei der WM nur zu einem Kurzeinsatz. Ich habe manchmal den Eindruck, dass seine alte Athletik nach der schweren Verletzung in Ludwigsburg immer noch nicht komplett zurückgekehrt ist. Im zweiten Jahr sollte er das komplexe Berliner System (noch) besser verinnerlichen können.  Niels Giffey dürfte bei den Albatrossen die gleiche Rolle wie in der Vergangenheit einnehmen. Seine Variabilität, drei Positionen spielen zu können, und seine Bereitschaft, sich in den Dienst der Mannschaft zu stellen, zeichnen den Kapitän aus.

Euer

16 Sep

Argentinien war die Überraschungsmannschaft

Argentinien war die Überraschungsmannschaft

Spanien ist Basketballweltmeister 2019. Marc Gasol, Ricky Rubio und Co. standen im Halbfinale gegen die wieder einmal unglücklichen Australier kurz vor dem Aus, retteten sich aber durch zwei Verlängerungen ins Endspiel, in dem sie dann nie Zweifel am zweiten Titel nach 2006 aufkommen ließen. So sehr die Leistung der Iberer Bewunderung verdient, die größte Überraschung des Turniers waren aber die Argentinier, die sich stetig steigerten, bevor ihnen dann in der Titelpartie die Puste ausging. Vor allem im Viertel- und im Halbfinale brillierten die Gauchos. So schalteten sie zunächst den Turnierfavoriten Serbien mit einer großartigen Vorstellung aus. Dann legten sie im Halbfinale nach und ließen dem USA-Bezwinger Frankreich keine Chance. Ohne einen einzigen aktuellen NBA-Spieler knüpften die Südamerikaner an die Erfolge des vergangenen Jahrzehnts an.

Die „Goldene Generation“ um Manu Ginobili, die 2004 in Athen das Olympische Turnier gewann, hat eine legitime Nachfolgermannschaft gefunden. Vielleicht auch, weil ein Spieler in beiden Teams eine tragende Rolle spielt(e) und Teamspirit, Stolz und Leidenschaft an seine aktuellen Teamkollegen weitergegeben hat. Luis Scola läuft seit 20 Jahren für die Nationalmannschaft auf und bewies, dass er noch lange nicht zum alten Eisen gehört. Der 39Jährige bereitete sich 14 Wochen lang mit einem Individualtrainer auf das Turnier vor und war mehr als nur der emotionale Brandungsfels der Argentinier. In China ist der Power Forward zum zweitbesten Punktesammler bei Weltmeisterschaften hinter dem legendären Brasilianer Oscar Schmidt avanciert. Vor allem seine physische Fitness stach trotz der schwächeren Finalvorstellung ins Auge. Immer wieder sprintete Scola über das Feld, obwohl er mit zehn NBA-Spielzeiten jede Menge Meilen auf dem Tacho hat. Mit 17,9 Punkten und 8,1 Rebounds legte er beeindruckende Werte auf, die mit einer Nominierung ins All-Tournament-Team gewürdigt wurden. Da der Routinier die letzten beiden Spielzeiten im Reich der Mitte aktiv war, wurde er vom Publikum ganz besonders gefeiert.

Scolas kongenialer Partner war der nur 1,79 Meter große Facundo Campazzo von Real Madrid. Der Spielmacher bestach mit Charisma, spektakulären Pässen und Nervenstärke in den entscheidenden Momenten. „Facu“ stellte unter Beweis, dass ein Spieler keine NBA-Athletik benötigt, um Spiele auf WM-Niveau zu dominieren. Campazzo war der unbestrittene Dreh- und Angelpunkt im argentinischen Spiel. „Bei Immobilien geht es immer um Lage, Lage, Lage. Im Basketball geht es um Guards, Guards, Guards.“, sagte der serbische Coach Sasa Djordjevic nach der Viertelfinalniederlage seiner Mannschaft angesichts der Galavorstellung des 28Jährigen.

Als herausragender Pick-and-Roll-Spieler profitierte Campazzo von Scolas unfassbarem Gespür für den richtigen Augenblick beim Abrollen, während der lange Mann sich darauf verlassen konnte, dass der Pass perfekt getimt war. Wirbelwind Campazzo erzielte 13,3 Punkte und 7,8 Assists und war trotz seiner überschaubaren Länge zweitbester Defensivrebounder der Argentinier. Nicolas Laprovittola, immerhin der amtierende MVP der spanischen ACB, kam von der Bank und setzte immer wieder Nadelstiche. Allerdings fehlte ihm die Konstanz und seine Wurfquoten waren alles andere als berauschend. So wurde Gabriel Deck zur dritten Kraft im Team. Mit Willen und Energie markierte der 24Jährige seine Zähler.

Defensiv waren die Argentinier gallig, aggressiv am Ball und sehr aktiv in ihren Rotationen. Die Mannschaft von Coach Sergio Hernandez verbuchte die meisten Ballgewinne im Turnier. Dennoch war die schnelle und attraktive Offensive das Prunkstück des Finalisten, dem bei den Olympischen Spielen 2020 der Überraschungsfaktor fehlen wird. Deshalb fällt es schwer, Argentinien trotz des Erfolges als Medaillenanwärter einzustufen. Die Mannschaft hat „overachieved“, aber sie hat auch bewiesen, was mit Herz und Teamspirit möglich ist. Das ist die DNA der Argentinier, mit der sie auch in Tokio vermeintliche Favoriten stürzen können.

Euer

02 Sep

Ein französisches Juwel in Ulm

Ein französisches Juwel in Ulm

Die deutsche Mannschaft hat bei der WM in China ihre Auftaktpartie gegen Frankreich verloren. Unser westlicher Nachbar schafft es immer wieder, große Talente hervorzubringen. Eines davon spielt nächste Saison in Ulm. Jenen Spieler möchte ich euch etwas näher vorstellen.

Ein Teenager als Starter auf der Spielmacherposition? Diese Konstellation hat in diesem Jahrzehnt in der Basketball-Bundesliga noch kein Verein ernsthaft angedacht. Doch jetzt möchte ratiopharm ulm diesen Weg gehen. Der dafür Auserkorene ist allerdings auch ein besonderes Juwel. Mit Killian Hayes konnten die Ulmer eines der größten Talente seiner Altersklasse in Europa unter Vertrag nehmen. Bayern München gelang es, mit dem Ex-NBA-Profi Greg Monroe den namhaftesten Neuzugang an Land zu ziehen, aber das spannendste individuelle Projekt könnte Hayes sein. Der Franzose wurde erst am 27. Juli 18 Jahre alt und hat in den letzten beiden Jahren auf internationalem Parkett brilliert. 2017 gewann er mit Frankreich die U16-Europameisterschaften und wurde zum wertvollsten Spieler des Turniers gewählt. Im vergangenen Sommer errang er bei den U17-Weltmeisterschaften die Silbermedaille, legte 16,1 Punkte, 3,6 Rebounds, 3,3 Assists und 2,7 Ballgewinne pro Partie auf und wurde in die Turnierauswahl berufen. In den sogenannten Mock Drafts der NBA, in denen Experten die Wahl des nächsten Jahres prognostizieren, taucht Hayes überall in der ersten Runde auf, teilweise sogar in den Top Ten.

Wie landet ein solches Ausnahmetalent in Ulm? „Sein Agent kam auf uns zu. Unser aktives Werben begann erst, als er Interesse an unserer Situation signalisiert hatte“, erklärt Sportdirektor Thorsten Leibenath. Der für seine Position mit 1,96 Meter relativ große Athlet hatte erst im vergangenen Sommer seinen ersten Profivertrag unterschrieben, der eigentlich eine Laufzeit von drei Jahren vorsah. In Cholet spielte der Sohn eines amerikanischen Vaters und einer französischen Mutter auf Anhieb eine gute Rolle und erzielte 7,1 Punkte pro Partie in der ersten französischen Liga. Doch die Aussichten für den kommende Saison gestalteten sich eher durchwachsen. Dem NBA-Aspiranten wäre hinter einem amerikanischen Spielmacher und einem US-Starter auf der Position Zwei die Rolle des dritten Guards in der Rotation zugefallen. Spieler und Umfeld wünschten sich aber eine tragende Rolle bei einer Mannschaft, die im Gegensatz zu Cholet auch europäisch spielt.

Ulm kann genau das bieten. „Wir haben uns mittlerweile einen Ruf in Europa erarbeitet, so dass Agent und Spieler uns angesprochen haben und jetzt mit einem guten Gefühl hinter dem Wechsel stehen“, erklärt Leibenath nicht ohne Stolz. Die Bereitschaft, junge Talente früh mit verantwortungsvollen Aufgaben zu betreuen, zeichnet Ulm schon länger aus. Per Günther, Robin Benzing, Daniel Theis oder zuletzt David Krämer sind Namen, die dies belegen. Entsprechend ist die Verpflichtung von Hayes für den Sportdirektor, der zuvor acht Jahre in Ulm als Head Coach fungiert hatte, der nächste Schritt und die konsequente Fortführung eines eingeschlagenen Weges. Mitte nächsten Jahres wollen die Ulmer ihren Orange Campus eröffnen, ein Projekt nach dem Vorbild der Jugendleistungszentren im Fußball. Mit diesem in Deutschland einzigartigen Komplex wollen sie jugendliche Ausnahmetalente aus ganz Europa anlocken. Derzeit trainieren bereits 15 nichtdeutsche Kinder und Jugendliche im Programm. Mit Hayes haben die Schwaben einen Spieler der obersten Kategorie abgegriffen, was ihnen zukünftig bei der Rekrutierung ambitionierter Nachwuchsspieler nur zum Vorteil gereichen kann.

„Die Interessensgleichheit mit Hayes und seinen Beratern war schnell abgeklopft, den Vertrag in trockene Tücher zu wickeln, aber noch ein schwieriges Stück Arbeit“, erläutert Leibenath, der diesbezüglich jedoch keine Details preisgeben möchte. Aber es ist davon auszugehen, dass angesichts des Vertragsverhältnisses mit Cholet eine Ablösesumme im Raum stand. Genauso ist es wahrscheinlich, dass der neue Dreijahreskontrakt zumindest für die NBA vorzeitige Ausstiegsklauseln beinhaltet. Insofern könnte es den Youngster schon bald in die USA ziehen.

Entsprechend wünscht sich Leibenath, dass der Linkshänder seinen Fokus auf die anstehende Saison richtet und nicht auf das, was danach kommt. Er ist aber sehr zuversichtlich, was sowohl mentale als auch sportliche Klasse seines Neuzugangs betrifft: „Ich bin beeindruckt, wie er seine Mitspieler besser macht. Er hat eine echte Spielmachermentalität.“ Die Erwartungen sind hoch, der 18Jährige soll die Fäden in der Hand halten, organisieren und kreieren. Doch kann ein dominanter Jugendspieler schon im Eurocup, dem zweithöchsten kontinentalen Wettbewerb, konstant eine tragende Rolle spielen? „Killian ist das Risiko wert. Er bringt von den Anlagen her alles mit, was ein moderner Point Guard braucht“, sagt Jaka Lakovic. Der neue Ulmer Head Coach war selbst einer der besten Spielmacher in Europa. Vielleicht denkt er beim dem Begriff Risiko nicht nur an die überschaubare Erfahrung von Killian Hayes im Männerbereich, sondern auch an die Gesamtsituation. Mit Routinier Per Günther steht nur noch ein weiterer Akteur für diese eminent wichtige Position zu Verfügung, der nach seiner Kniearthroskopie in der Endphase der vergangenen Saison auf der Suche nach seiner Form war. Auf der anderen Seite könnte ein gesunder Günther der großen Nachwuchshoffnung die Starterrolle streitig machen. „Wer anfängt, entscheidet der Coach“, stellt Leibenath klar, fügt aber hinzu: „Wir gehen davon aus, dass Killian mehr als 20 Minuten pro Begegnung spielen wird.“ Die in Scharen zu erwartenden NBA-Scouts wird es freuen.

Euer

19 Aug

Wer muss noch gehen?

Wer muss noch gehen?

Trainer einer Auswahlmannschaft zu sein, ist eine ehrenvolle Aufgabe. Aber die Selektion des spielenden Personals für ein großes Turnier gehört zu den schwierigsten Herausforderungen, denen sich ein Bundestrainer stellen muss. Joachim Löw musste 2018 viel Kritik für seinen WM-Kader einstecken, insbesondere für den Verzicht auf Leroy Sané. Aktuell liegt sein Kollege von den Basketballern bei der Gestaltung seines Aufgebots in den letzten Zügen. Ende August beginnt die Weltmeisterschaft in China, und Henrik Rödl muss, nachdem er nach dem Supercup Moritz Wagner aussortierte, noch einen Akteur streichen. Je nach taktischer Ausrichtung kann es ein Innen- oder ein Außenspieler sein. Doch egal wie der 50Jährige sich entscheiden wird, eine Diskussion wie bei den Fußballern scheint unabhängig vom Ausgang des Turniers unwahrscheinlich. Die Topstars sind gesetzt, und jetzt geht es nur noch um den letzten Platz.

Rödl hatte von Anfang an eine ganz klare Vorstellung, wen er mit nach Asien nehmen möchte. In den WM-Qualifikationsspielen setzte er insgesamt noch 26 Spieler ein, was auch der Tatsache geschuldet war, dass die NBA- und Euroleaguebasketballer nur bedingt zur Verfügung standen. So kam es etwas überraschend, dass sein erster Kader für den Saisonhöhepunkt nur 16 Akteure umfasste, zumal die aktuelle Generation als besonders tief besetzt gilt, so dass man eigentlich problemlos zwei Nationalmannschaften stellen könnte, und auch die meisten anderen Nationen ihr erstes Aufgebot deutlich breiter fassten. Bereits vor dem ersten Test gegen Schweden reduzierte Rödl den Kader auf 14. Zwölf Spieler dürfen in China mit dabei sein.

Bastian Doreth und Karsten Tadda, die neben Ismet Akpinar als Einzige in allen zwölf Qualifikationsspielen zum Einsatz kamen, tauchten erst gar nicht auf. Gleiches gilt für die mit Euroleagueerfahrung ausgestatteten Tibor Pleiß und Maik Zirbes, die dem Überangebot an langen Qualitätsspielern zum Opfer fielen. Lediglich Youngster Isaiah Hartenstein sagte frühzeitig ab, um sich auf seine NBA-Saison bei den Houston Rockets vorzubereiten.

Mit der Nominierung des ersten Aufgebots signalisierte der Bundestrainer klar, dass es ihm vor allen um eine ernsthafte Vorbereitung geht, die er nicht durch Konkurrenzkampfscharmützel in Frage gestellt sehen möchte.

Nachdem beim souveränen 78:46 gegen Schweden noch Superstar Dennis Schröder fehlte, hatte die Mannschaft beim Supercup in Hamburg alle Mann an Bord haben. Jetzt stehen noch zwei Testspiele in Japan auf dem Programm, nach denen der Bundestrainer seinen endgültigen Kader nominieren muss.

Aktuell stehen fünf Innenspieler im Kader, einer von ihnen muss möglicherweise noch gehen. Da Maxi Kleber, Danilo Barthel, Daniel Theis und Johannes Voigtmann sicher dabei sein werden, würde es im Falle eines Cuts bei den Großen Johannes Thiemann treffen. Die 80 Minuten auf den Positionen Vier und Fünf lassen sich problemlos zwischen den vier Platzhirschen aufteilen, und ansonsten könnte man auch sogenannten Small Ball spielen, also mit einem Small Forward als Power Forward. Paul Zipser, Robin Benzing und Niels Giffey haben diese Rolle alle schon ausgefüllt. Allerdings ist diese Variante im Vereinsbasketball deutlich beliebter als bei den Auswahlteams.

Es könnte also gut sein, dass noch ein Guard gehen muss. Isaac Bonga und Andreas Obst müssten sich in diesem Fall wohl die größten Sorgen machen. Während der erst 19jährige Bonga nach seiner ersten NBA-Saison vor allem seine defensiven Attribute in die Waagschale werfen kann, ist der aus Spanien in die Bundesliga zurückkehrende Obst ein exzellenter Schütze.

Rödl hat taktisch viele Optionen und damit auch die Qual der Wahl. Hoffentlich bleibt dies bis zum Ende der Vorbereitung auch so. Es wäre schade, wenn eine Verletzung dem Bundestrainer die letzte Entscheidung abnehmen würde.

Euer

04 Aug

Internationale Wettbewerbsfähigkeit

Internationale Wettbewerbsfähigkeit

13,2 Punkte und 8,3 Rebounds pro Partie als Karrierewerte in der NBA. So lauten die Referenzen von Greg Monroe, dem spektakulärsten Neuzugang des Deutschen Meisters Bayern München. Diese Zahlen können sich sehen lassen, vor allem wenn bedenkt, dass die Grundlage dafür in neun Spielzeiten gelegt wurde. Der Linkshänder ist ein gestandener NBA-Profi. Sein Transfer in diesem Sommer unterstreicht erneut die Ausnahmestellung der Bayern, die die über die materielle Ausstattung verfügen, um solch spektakuläre personelle Duftmarken zu setzen. Mit Josh Huestis, Diego Flaccadori und Mathias Lessort haben sich die Bayern darüber hinaus hochkarätig aus dem Ausland verstärkt. Dazu soll die Rückkehr von Paul Zipser unmittelbar bevorstehen.

Im Gegensatz dazu sind die finanziellen Möglichkeiten der anderen deutschen Vereine im Vergleich zu den internationalen Spitzenteams weiterhin begrenzt. Natürlich gab es bislang auch die eine oder andere interessante Verpflichtung, aber außer dem nach Berlin wechselnden Tyler Cavanaugh (50 NBA-Einsätze) war bisher kein Spieler dabei, der der breiten Öffentlichkeit sofort ins Auge sticht. Im Gegenzug verlor die Liga viele ihrer besten Akteure ins europäische Ausland. Dass der Sensationsaufsteiger Vechta sein explosives Außenspieler-Duo mit T.J. Bray und Austin Hollins nicht würde halten können, war erwartet worden. Bray bleibt der Bundesliga zumindest erhalten und wechselte zu Bayern München, während Hollins beim Euroleague-Konkurrenten des Deutschen Meisters Zenit Sankt Petersburg anheuerte. Genauso wenig überraschte es, dass es Bambergs hochdekorierten Spielmacher Tyrese Rice für seine letzte Spielzeit noch einmal in die europäische Königsklasse zog. Der 32Jährige unterschrieb bei Panathinaikos Athen. Will Cummings, der wertvollste Spieler der vergangenen Saison, verließ Oldenburg und verdient seine Brötchen zukünftig in Russland.

Alle diese Wechsel waren ein Stück weit vorprogrammiert. Dass der Deutsche Meister Bayern München jedoch drei seiner Leistungsträger an die kontinentale Konkurrenz verlor, ließ aufhorchen. Ex-NBA-Star Derrick Williams hatte immer wieder bekundet, dass in Europa kein anderer Verein für ihn in Frage käme, entschied sich dann aber doch für Fenerbahce Istanbul. Spielmacher Stefan Jovic und Center Devin Booker nahmen ein Angebot von Khimki Moskau wahr, einem Club, der ebenfalls in der Euroleague an den Start geht, aber in der vergangenen Spielzeit hinter den Bayern ins Ziel kam. Obwohl Khimki im Großraum Moskau hinter ZSKA nur die Nummer zwei ist, verfügen die Russen über gewaltige materielle Ressourcen, Starspieler Alexey Shved erhält über drei Millionen Euro netto pro Saison.

Von solchen Summen sind selbst die Münchner als finanziell mit Abstand potentester Bundesligaverein noch weit entfernt, auch wenn der Gesamtetat für die kommende Spielzeit bei ca. 25 Millionen Euro liegen soll. Zum Vergleich: ZSKA Moskau gab bekannt, dass das Budget nur für Gehälter inklusive 13% Steuern in der kommenden Spielzeit 26 Millionen Euro betragen wird.

Mit Johannes Voigtmann unterschrieb der beste deutsche Basketballer außerhalb der NBA beim Euroleaguechampion. Nach drei Jahren in Spanien wäre die Rückkehr des Ex-Frankfurters nach Deutschland ein Paukenschlag gewesen und für die Aushängeschilder München und Berlin eine riesige Verstärkung, da in der Bundesliga immer sechs deutsche Akteure auf dem Spielberichtsbogen stehen müssen.

Aber mittlerweile haben die Bayern gezeigt, dass sie nicht gewillt sind, im Transferpoker klein beizugeben. Zunächst gaben die Münchner die Verpflichtung von Josh Huestis bekannt. Der neue Forward trägt das Gütesiegel NBA, bestritt 76 Einsätze für den Oklahoma City Thunder. Unmittelbar darauf legte der Deutsche Meister nach und verkündete Monroe. Mittlerweile kamen noch Flaccadori und Lessort hinzu.

Der Deutsche Meister ist ganz offensichtlich in der Lage, renommierte Spieler anzulocken, was bedingt auch noch für Berlin gelten mag. Dem Rest der Bundesliga fehlt es aber an finanzieller Substanz, um einen großen Wurf zu landen. Vielleicht kann ein Erfolg der Nationalmannschaft bei der WM in China im September weitere Geldgeber für den Basketball begeistern, wo doch die Rahmenbedingungen vielversprechend aussehen.

In den nächsten beiden Jahren finden internationale Großereignisse in Deutschland statt.

Das Final Four der Euroleague wird im Mai 2020 in der Kölner Lanxess Arena ausgetragen, eine Vorrundengruppe der mittlerweile EuroBasket genannten Europameisterschaften wird 2021 an gleicher Stätte ausgespielt, die Finalrunde dann in Berlin. Die deutschen U-20-Basketballer haben den Vorjahreserfolg wiederholt und bei den Europameisterschaften in Israel die Bronzemedaille gewonnen. Verbandspräsident Ingo Weiss formulierte danach keck: „Da kann ich mich gerne dran gewöhnen, dass unsere Nachwuchsnationalmannschaften mit Medaillen von den Europameisterschaften zurückkehren.“ Diese Aussage spiegelt die Entwicklung im deutschen Basketball wider und unterstreicht gleichzeitig das gewachsene Selbstbewusstsein.

Wie schon bei der Heim-EM 2018 konnte der DBB-Nachwuchs nicht in Bestbesetzung auflaufen, was die Erfolge umso bemerkenswerter macht. Die besten Akteure waren jeweils nicht dabei. So verzichtete vor einem Jahr Isaiah Hartenstein (Houston Rockets), dieses Mal fehlte Isaac Bonga (Washington Wizards). Hartenstein wird auch im September bei der Herren-WM in China nicht im Team stehen, da er erneut seine NBA-Ambitionen in den Vordergrund stellt. Dennoch könnte die deutsche Mannschaft beim Saisonhöhepunkt mit Bonga, Dennis Schröder, Maximilian Kleber, Daniel Theis und Moritz Wagner immerhin fünf Profis aus der besten Liga der Welt an den Start bringen. Mit etwas Glück könnte für das deutsche Team sogar eine Medaille herausspringen.

Euer

21 Jul

Tragischer Held, Aufsteiger, Trend und Spielstil der Saison

Der tragische Held der Saison: Luke Sikma

2017/2018 MVP der BBL, 2018/2019 MVP des Eurocups. Luke Sikma wartet aber weiterhin auf den ersten Titel mit ALBA BERLIN. In der abgelaufenen Spielzeit unterlagen die Albatrosse in allen drei Wettbewerben in den Finalspielen – und Sikma war in den entscheidenden Partien weit von seiner Bestleistung entfernt. Beim Pokalfinale in Bamberg ging er krank in die Schlacht, Schwamm drüber. In den drei Eurocup-Finalpartien gegen Valencia erzielte er insgesamt 22 Punkte, genauso viele wie in den drei BBL-Endspielbegegnungen gegen die Bayern. In diesen sechs Spielen traf er nur 15 von 51 Würfen aus dem Feld, weniger als 30%. Noch eklatanter wird es, wenn man sich die Spiele anschaut, in denen die Serien beendet wurden: 2/18 Field Goals in diesen beiden Partien. Der Amerikaner hat einen neuen und langfristigen Vertrag in Berlin unterschrieben. Seine Probleme in den großen Momenten sind auch den ALBA-Fans nicht verborgen geblieben, die ihn zukünftig sehr stark daran messen dürften, wie er in diesen Situationen auftritt.

Der Aufsteiger der Saison: T.J. Bray

Vom BBL-Neuling RASTA Vechta zum Deutschen Meister und in die Euroleague – so lautet die Erfolgsgeschichte von T.J. Bray. Der vielseitige Guard hat seinen Marktwert wahrscheinlich in einem Maße gesteigert wie kein anderer Akteur. Mit über 8 Assists pro Partie führte er die Liga an, war ein ständiger Gefahrenherd von der Dreipunktelinie, und vor allem konnte er in den Playoffs noch eine Schippe drauflegen. 14,8 Punkte pro Partie in der Hauptrunde, 18,7 im Viertelfinale gegen Bamberg und 22,3 im Halbfinale gegen seinen neuen Arbeitgeber München. Bleibt zu hoffen, dass der 27Jährige bei den Bayern eine Rolle zugewiesen bekommt, in der er sein kreatives Potenzial auch weiterhin zur Entfaltung bringen kann.

Ein weiterer Trend der Saison: Der Sportdirektor

Die Flaggschiffe München und Berlin haben diese Positionen mit Daniele Baiesi und Himar Ojeda hochwertig besetzt. Ihr Anteil am Erfolg ihrer Mannschaften sollte nicht unterschätzt werden. Auch das dritte „große B“, Brose Bamberg, verfügt natürlich über einen Sportdirektor. Nach Baiesis Wechsel nach München (der Italiener galt als Architekt der Meisterteams von Andrea Trinchieri), griff sein Nachfolger Ginas Rutkauskas bei der Spielerauswahl ordentlich daneben, so dass jetzt die Hoffnungen auf dem Belgier Leo de Rycke ruhen. Auch Oldenburg, Bonn und Crailsheim haben eine solche Stelle bereits vergeben. Wirklich interessant ist aber, dass diese Position mittlerweile für weitere Teams relevant geworden. So installierte Bayreuth mit Matt Haufer erstmals einen Sportdirektor, und in Ulm wechselte mit Thorsten Leibenath sogar der erfolgreichste deutsche Trainer der letzten Jahre von der Trainerbank ins Front Office. Aufgaben gibt es genug, von der Talentsichtung bis hin zum Aufbau interner Strukturen.

Der Spielstil der Saison: RASTA Vechta

Die Mannschaft der abgelaufenen Spielzeit war zweifellos RASTA Vechta und ihr Head Coach Pedro Calles wurde völlig zurecht als Trainer des Jahres ausgezeichnet. Der Neuling spielte nicht nur äußerst erfolgreich und performte an den materiellen Möglichkeiten gemessen gnadenlos über, vor allem etablierte er auch einen eigenen Stil, der vor allem auf seiner Run-and-Jump-Defense fußte. Coach Aíto sprach sogar davon, dass Vechta den Basketball der Zukunft spiele. Da taktische Entwicklungen im Sport oft wellenförmig verlaufen, bin ich gespannt, wie viele Mannschaften in der kommenden Saison in ihrer Konzeption Anleihen bei den Niedersachsen nehmen werden.

Euer