04 Jul

Spieler, die sich beim Finalturnier in den Blickpunkt rückten

Spieler, die sich beim Finalturnier in den Blickpunkt rückten

Es ist knapp eine Woche her, dass Alba Berlin verdientermaßen die Deutsche Meisterschaft gewann. Aber nicht nur die Albatrosse verdienen Anerkennung und Respekt, sondern auch der Finalkontrahent MHP Riesen Ludwigsburg. Diese Mannschaft präsentierte sich genauso wie die Berliner als verschworene Einheit und lieferte beeindruckende Leistungen ab. Ich möchte in diesem Blog ein paar Spieler in den Vordergrund rücken, die mir in den drei Wochen des Finalturniers von München besonders viel Freude bereitet haben, ohne dabei jedoch einen Anspruch auf Vollständigkeit zu erheben.

Vier Awards für Baden-Württemberg

Wer meine Beiträge verfolgt, weiß, dass ich ein großer Verfechter davon bin, dass Spieler und Coaches über die Auszeichnungen bestimmen. Entsprechend fand ich es einen richtigen Schritt, dass die Kapitäne der Teams den MVP wählten. Mit dem Ergebnis bin ich voll und ganz einverstanden, so dass ich den Wählern aber vor allem auch dem Gewählten gratulieren kann: Marcos Knight wurde dank seiner Heldentaten im Viertel- und Halbfinale völlig zurecht gekürt.

Da sonst keine individuellen Auszeichnungen vergeben wurden, suche ich mir ein paar Kategorien aus, um weitere zu verteilen und sie, wie auch schon die Kapitäne den MVP, in Baden-Württemberg zu platzieren.

Die Ludwigsburger Youngster wussten alle zu überzeugen. Natürlich stand Ariel Hukporti schon vor dem Turnier in jedem Notizbuch, und Lukas Herzog überraschte nicht nur mich mit seinen beherzten Auftritten, aber die Entdeckung des Turniers hieß Jacob Patrick. Die Ruhe und Kaltschnäuzigkeit, mit der der Trainersohn agierte, sind absolut außergewöhnlich für einen Spieler seines Alters. Ein sicherer Wurf und klares und richtiges Entscheidungsverhalten an beiden Enden des Feldes zeichnen den erst 16Jährigen aus.

Gavin Schilling war mein Most Improved Player. Der Ulmer Center spielte immer schon mit viel Einsatz und Energie, hat aber mittlerweile sein offensives Repertoire mit der dazugehörigen Abschlusssicherheit so erweitert, dass er zu einer legitimen Scoring-Option geworden ist. Außerdem läuft er das Feld extrem gut.

Das Comeback hat für mich Maurice Stuckey hingelegt. In Bamberg lief beileibe nicht alles nach Plan beim Shooting Guard. Nach seinem Wechsel im Dezember nach Crailsheim musste er sich während der Saison in ein neues und bereits funktionierendes Team einfinden. In München zeigte der 30Jährige, dass wieder (oder immer noch) mit ihm zu rechnen ist.

Das schwierigste Match-up 1-1: Marcos Knight oder Rasid Mahalbasic wären weitere Kandidaten gewesen, aber ich habe mich für Thomas Wimbush entschieden. Der Amerikaner ist ein Small Forward, der im System von John Patrick in Ludwigsburg als Power Forward agiert. Der Linkshänder ist extrem athletisch, kann den Dreier werfen und seine Gegenspieler mit seiner Beweglichkeit aus dem Dribbling attackieren.

Die All-Tournament-Teams

In dieser Kategorie kann aus meiner Sicht heraus nur auftauchen, wer es mit seinem Team mindestens bis ins Halbfinale geschafft hat. Acht absolvierte Spiele sind die Mindestvoraussetzung für eine Berücksichtigung. Ansonsten sind weitere Ausführungen wie bei den vorherigen „Awards“ überflüssig, denn es geht hier schlicht und einfach nach Leistung. Schön ist es, dass nicht nur die üblichen Verdächtigen auftauchen, sondern sich auch ein Jaleen Smith, der zuvor zwei Jahre im Unterhaus aktiv war und sich seine Nominierung redlich verdient hat.

First Team:

Peyton Siva (ALBA BERLIN)

Marcus Eriksson (ALBA BERLIN)

Marcos Knight (MHP RIESEN Ludwigsburg)

Luke Sikma (ALBA BERLIN)

Rasid Mahalbasic (EWE Baskets Oldenburg)

Second Team:

Jaleen Smith (MHP RIESEN Ludwigsburg)

Thomas Klepeisz (ratiopharm ulm)

Nick Weiler-Babb (MHP RIESEN Ludwigsburg)

Thomas Wimbush (MHP RIESEN Ludwigsburg)/Nathan Boothe (EWE Baskets Oldenburg)

Landry Nnoko (ALBA BERLIN)

Warum finden sich im Second Team zwei Power Forwards? Für Boothe sprach, dass er konstanter agierte, für Wimbush, dass er mit seinen Topvorstellungen einen großen Einfluss auf den erfolgreichen Turnierverlauf der Ludwigsburger nahm.

Zum Abschluss nenne ich noch weitere Spieler, die weder in meinen Award-Kategorien noch in den All-Tournament-Teams auftauchen, mich aber trotzdem beeindrucken konnten: Kenny Ogbe, Sebastian Herrera, Trevis Simpson, Yorman Polas-Bartolo, Dejan Kovacevic, Bennet Hundt und Marvin Omuvwie dürften dank ihrer Auftritte ihren Marktwert gesteigert haben.  

Euer

20 Jun

Die neue Arbeitschemie macht Ulm zu einem Titelanwärter

Die neue Arbeitschemie macht Ulm zu einem Titelanwärter

München oder Berlin, das waren die Namen, die vor dem Finalturnier der Basketball-Bundesliga von den Experten gebetsmühlenartig genannt wurden, wenn es darum ging, die Favoriten für den Titel ausfindig zu machen. Natürlich, so kam immer die Einschränkung hinterher, seien Überraschungen angesichts des Modus, der ab dem Viertelfinale ein Hin- und Rückspiel vorsieht, möglich. Bislang haben mit Ulm und Ludwigsburg zwei Teams so stark aufgespielt, dass sie den ursprünglich nur aus den beiden Euroleague-Teams bestehenden Favoritenkreis erweitert haben beziehungsweise nach dem Sieg der Ludwigsburger gegen die Bayern auch dezimiert haben. Während die die Schützlinge von John Patrick schon vor der Corona-Pause eine sehr starke Saison abgeliefert hatten, kamen die beeindruckenden Auftritte von ratiopharm ulm beim Münchner Turnier überraschend.

Neue Hierarchien und neue Aufgabenverteilung

„Wir haben uns in der Bundesliga-Saison etwas unter Wert verkauft“, sagt Sportdirektor Thorsten Leibenath. Deshalb flogen die Ulmer vor dem Turnier etwas unter dem Radar, zumal klar war, dass mit Killian Hayes, Seth Hinrichs und Grant Jerrett drei Leistungsträger nicht dabei sein würden. Das hat die Hierarchien und Aufgaben auf dem Feld neu definiert, auch weil mit Thomas Klepeisz (Braunschweig) und Dylan Osetkowski (Göttingen) die von der Liga erlaubten zwei Nachverpflichtungen getätigt wurden. Die neue Arbeitschemie in Ulm scheint besser zu funktionieren als die alte, in der viel – vielleicht zu viel – auf den 18jährigen Killian Hayes zugeschnitten war. Der junge Franzose war „das Projekt“ der Ulmer in dieser Spielzeit. Der Fokus auf seine Entwicklung und der Anspruch des im Januar nach Spanien gewechselten Zoran Dragic, die erste Option sein zu müssen, lähmten die Mannschaft möglicherweise stärker als zunächst gedacht. Für die nächste Saison wird Hayes in die NBA wechseln, wo er im Draft in diesem Sommer unter den ersten zehn, vielleicht sogar unter den ersten fünf, Akteuren erwartet wird. Auch wenn es nie so klar kommuniziert wurde, so ist doch anzunehmen, dass der Spielmacher beim Finalturnier nicht dabei ist, um seine guten Chancen nicht durch eine Verletzung zu verschlechtern.

Leibenath landet mit Osetkowski seinen ersten Coup

Ohne ihn hat sich Tyler Harvey in den Vordergrund gespielt. Der Amerikaner hatte keine leichte Saison, musste ein paar Wochen mit einer Schulterverletzung pausieren und wurde von Head Coach Jaka Lakovic aufgrund der Priorität Hayes fast nur als Shooting Guard eingesetzt. Jetzt zeigt der 26Jährige, dass er als scorender Point Guard seine wahre Berufung finden könnte. Neben Harvey müssen auch die beiden Neuzugänge positiv vermerkt werden. Thomas Klepeisz bildet mit Harvey und Routinier Per Günther eine harmonierende Kreativabteilung, weil er mit der perfekten Dosierung spielt. Alles was der Österreicher macht, ist teamorientiert und geschieht in und aus dem Rhythmus der Mannschaft. Mit dieser Mentalität glänzt er als Vorbereiter und Dreipunktewerfer. Die Personalie Dylan Osetkowski darf man als echten Coup von Thorsten Leibenath bezeichnen. Als der langjährige Ulmer Head Coach, der vor der Saison auf den Posten des Sportdirektors gewechselt hatte, erfuhr, dass der Amerikaner einen deutschen Pass erhalten könnte, nahm er ihn unter Vertrag und lieh ihn nach Göttingen aus. Mittlerweile verfügt der Center über die deutsche Staatsangehörigkeit und wird über das Finalturnier hinaus ein wichtiger Baustein der Ulmer Mannschaft sein. Ob dies auch für Klepeisz gelten wird, ist fraglich. Der 28jährige Guard hat so stark gespielt, dass es nicht nur den Basketball Löwen Braunschweig, sondern auch Ratiopharm Ulm schwerfallen dürfte, ihn für die nächste Spielzeit zu binden.

„Thommy und Dylan sind smarte Spieler, die sich auf und abseits des Feldes schnell integriert haben“, stellt Leibenath zufrieden fest und fügt hinzu: „In der neuen Konstellation übernimmt jeder mehr Verantwortung im Teamplay.“  Zu dieser Konstellation gehört auch, dass die Ulmer bislang in jeder Partie alle zwölf Spieler eingesetzt haben und auf drei Positionen jungen Eigengewächsen Spielzeit gewähren, ohne dass der Eindruck der offensiven und defensiven Kompaktheit verlorengeht. Im Halbfinale trifft Ulm jetzt auf Ludwigsburg – eines der beiden Überraschungsteams aus dem „Ländle“ wird also auf jeden Fall das Finale erreichen.

Euer

05 Jun

Mit Playoff-Feeling und erhöhtem Überraschungspotenzial

Mit Playoff-Feeling und erhöhtem Überraschungspotenzial

Viele hatten geglaubt, dass die BBL-Saison 2019/2020 mit dem durch Corona bedingten Abbruch auch beendet sein würde. Am Wochenende geht es aber tatsächlich weiter – nicht mit allen Teams, aber immerhin mit zehn Teilnehmern, die in München unter strengsten Hygieneauflagen die Spielzeit beenden und einen Deutschen Meister küren werden. Wie es zu diesem Turnier gekommen ist, welche Hürden zu überspringen waren – das alles wurde bereits zu genüge thematisiert. Also befasse ich mich ausschließlich mit sportlichen Aspekten des Finalturniers.

Der Modus

Am 8. Januar 2019 veröffentlichte ich einen Blog zum neuen Pokalmodus, an dessen Ende ich der Modifizierung des Wettbewerbs eine glatte Eins mit Sternchen verlieh. Bezüglich der Gestaltung des Münchner Turniers ist meine Einschätzung ganz ähnlich. Eine den K.o.-Spielen (ich finde es unangemessen von Playoffs zu schreiben) vorgelagerte Gruppenphase ist exakt das, was die Mannschaften nach der langen Pause benötigen, um wieder einen Spielrhythmus zu finden. Dass die beiden Spiele einer Gruppe immer am gleichen Tag stattfinden, ist für eine Wettbewerbsgleichheit bezüglich der Regenerationsphasen unabdingbar. Dennoch haben natürlich die zwei Teams, die am ersten Spieltag aussetzen, einen Nachteil, weil sie nicht in den Genuss einer echten Pause kommen. Das betrifft Oldenburg und Bamberg. Crailsheim und Frankfurt, die in der fünften und letzten Runde aussetzen, könn(t)en zumindest vor dem Viertelfinale durchschnaufen.

Die Regelung keine Best-of-three-Serien zu spielen, halte ich für absolut sinnvoll. Möglich wäre das nur gewesen, wenn man den Zeitraum für das Turnier erweitert hätte. Angesichts der Rahmenbedingungen wäre das aus unterschiedlichen Gründen so gut wie nicht umsetzbar. Mit dem Hin- und Rückspielgedanken etabliert man aber immerhin den Charakter der Playoffs, der für unsere Sportart wie für keine andere immens wichtig ist. Ein Zehnerturnier, an dessen Ende einer jeder-gegen-jeden-Runde der Sieger zum Meister erklärt wird, fänden wir doch alle langweilig! So aber gibt es Playoff-Feeling mit erhöhtem Überraschungspotenzial, denn München oder Berlin sind in zwei Spielen eher zu knacken als in einer Best-of-five-Serie.

Die Fitness

Ich kenne die Probleme aus meiner Zeit als Head Coach in der BBL. Die Saisonvorbereitung beginnt, die Spieler absolvieren ihre Eingangstests, und in den ersten Einheiten wird deutlich, in welch unterschiedlichen körperlichen Verfassungen sie aus der Pause gekommen sind. Da gibt es den Fitness-Freak, der den ganzen Sommer – im Zweifelsfall sogar mit einem Privattrainer – an allen physischen und technischen Aspekten des Spiels gearbeitet hat. Aber nicht alle Basketballer denken so. Andere Akteure machen deutlich weniger und sehen die Preseason bei ihrem Verein als einzige und ausreichende Vorbereitung an. Solche Herren bekommen dann im Bereich der Grundlagenausdauer hier und da einmal eine Extra-Einheit in den Trainingsplan geschrieben. Dieses Problem stellt sich vor dem Münchner Turnier ebenfalls, aber es ist schwieriger zu lösen. Die Vorbereitungszeit auf das erste ergebnisrelevante Spiel ist jetzt viel kürzer als vor Saisonbeginn und damit auch die Möglichkeit, die in schlechterer Verfassung angetretenen Spieler auf ein entsprechendes Niveau zu hieven. Gravierende Rückstände führen aber nicht nur zu einer schlechteren Perfomance, sondern erhöhen gerade bei den eng getakteten Belastungen auch das Verletzungsrisiko.

Die BBL hat es geschafft, mit ihrem detailliert durchdachten Hygienekonzept die politisch Verantwortlichen zu überzeugen. Das ist ein Teil der im Vorfeld zu honorierenden Leistungen. Darüber hinaus hat sich die Liga in ihrer Außendarstellung als Einheit präsentiert. Zehn Mannschaften werden weiterspielen, sieben haben darauf verzichtet. Aber Befürworter und Gegner einer Saisonfortsetzung haben sich zu keinem Zeitpunkt zerfleischt, sondern haben in einer schwierigen Lage einen respektvollen Umgang mit den Meinungen der anderen Seite gefunden. Es ist bekannt, dass die Clubs zum Teil auch in wichtigen Fragen Differenzen miteinander haben. Als Beispiel sei nur die Größe der Liga genannt. Umso schöner ist es, dass man es in dieser Krise verstanden hat, einen für alle akzeptablen Weg zu gehen. Einziger Wermutstropfen: Die Spieler, die zentralen Figuren in diesem Konstrukt, fühlten sich (zurecht) zu wenig einbezogen.

Zu guter Letzt und aus leider einmal wieder gegebenem Anlass: Erhebt euch und eure Stimmen gegen Rassismus, Diskriminierung und Gewalt in Deutschland, in den USA und überall auf diesem Planeten!

Euer

02 Mrz

Meisterschaftsrennen, Playoff-Kampf und Trainer des Jahres

Meisterschaftsrennen, Playoff-Kampf und Trainer des Jahres

In dieser Ausgabe meines Blogs beantworte ich mal wieder Fragen. Vielen Dank für eure Einsendungen, aus denen ich mir fünf herausgepickt habe. Bezüglich der Themenkomplexe Meisterschaft und Playoffs habe ich zwei Fragen zusammengepackt, weil ich denke, dass sie miteinander verknüpft sind und dadurch das Gesamtbild klarer wird.

Das Meisterschaftsrennen:

Was fehlt Berlin, um die Bayern in der Meisterschaft zu entthronen?

Wie hat sich die Münchner Spielweise unter Head Coach Oliver Kostic verändert?

Berlin benötigt in einer möglichen Finalserie gegen die Bayern vor allen Dingen Gesundheit. Das gilt natürlich für die Münchner genauso, aber bei den Albatrossen gibt es mit Peyton Siva einfach einen extrem anfälligen Schlüsselspieler, der wettbewerbsübergreifend 64 von 238 Partien versäumt hat. Das sind 26,9 Prozent! Martin Hermannsson ist in den letzten Wochen immer stärker geworden, aber in einer Finalserie wären beide Guards für die Hauptstädter extrem wichtig. ALBA spielt im Moment besser als München, zeigt vor allem auswärts in der Euroleague mentale Qualitäten, die den Bayern trotz des Sieges in der letzten Woche in Sankt Petersburg fehl(t)en, und hat bei der Gestaltung der Schlussphase von knappen Spielen dazugelernt.

Die Münchner scheinen hingegen zu stagnieren. Bislang hat der Deutsche Meister in meinen Augen unter Oliver Kostic nur bedingt eine neue Richtung eingeschlagen. Die Pace hat sich nur unwesentlich erhöht, die Offensive ist nicht um grundlegend neue Optionen erweitert worden und die Transition Defense scheint weiterhin eine Baustelle zu sein. Im Moment machen die Aito-Schützlinge den besseren Eindruck. Aber Vorsicht, schaut in den Kalender: Es ist Ende Februar und nicht Juni!

Der Playoff-Kampf:

Wird Crailsheim in den verbleibendenSpielen den Playoff-Platz halten können?

Wie siehst Du nach dem Abgang von Zoran Dragic die Chancen der Ulmer im Kampf um die Playoffs?

Ab Platz sechs wird das Playoff-Rennen so richtig interessant. Die derzeit ersten Fünf der Tabelle werden aus meiner Sicht die Postseason sehr wahrscheinlich erreichen. Also auch, um die Frage konkret zu beantworten, Crailsheim. Das Team hat sich bereits ein Polster von sechs Punkten erarbeitet, den zwischenzeitlichen Ausfall von Quincy Ford kompensiert und über die Erfolge genügend Selbstvertrauen aufgebaut. Es verfügt über eine Spielkultur und Identität, Teamchemie, stringentes Coaching und mit DeWayne Russell über einen Spieler, der in der Crunchtime übernehmen kann.

Ohne die jüngste Verletzung von Josh Young hätte ich Vechta von den folgenden Teams die besten Chancen gegeben. Derzeit sehe ich sechs Mannschaften bis zum Tabellenelften Bayreuth, die um die Playoffs spielen. Dazu gehören auch die Ulmer, deren Chancen durch den Weggang von Zoran Dragic sicherlich nicht gestiegen sind. Aber der Slowene war für mich nie ein MVP-Kandidat, wie es teilweise in den Medien kolportiert wurde. Er hat gescort, aber seine Teamkameraden nicht besser gemacht und war sogar teilweise mit seiner Mimik und Gestik an der Grenze zum destruktiven Faktor. Sein Nachfolger Archie Goodwin wird die knapp 20 Punkte des Linkshänders nicht matchen können. Aber wenn es Jaka Lakovic gelingt, entsprechende Anpassungen vorzunehmen, könnte es trotzdem für Platz sieben oder acht reichen. Der Sieg am Wochenende in Bayreuth war natürlich extrem wichtig.

Wer ist zum jetzigen Zeitpunkt für Dich der Trainer des Jahres?

Diese Frage habe ich mir als ehemaliger Coach passenderweise für das Ende aufgehoben. Tuomas Iisalo ist mein aktueller Favorit. Ja, man kann auch viele gute Argumente für John Patrick finden, der mit Ludwigsburg erst vier Spiele verloren hat und auf einem fantastischen zweiten Platz rangiert. Genauso beachtlich ist, was der „Titelverteidiger“ leistet. Pedro Calles steht nach der Sensation in der letzten Spielzeit mit Vechta schon wieder auf einem Playoff-Spot. Es ist noch schwerer, mit einem Außenseiter eine Wahnsinnssaison zu bestätigen als diese ursprünglich zu spielen. Bedenkt man dann noch, dass der Spanier mit T.J. Bray, Austin Hollins und Seth Hinrichs seine drei Musketiere verloren hat, kann man seine Arbeit genauso wie die von JP nur über den grünen Klee loben. Dennoch glaube ich, dass die Auszeichnung an den Crailsheimer Head Coach Tuomas Iisalo gehen wird. Nachdem die Hohenloher dem Abstieg in der Vorsaison nur am allerletzten Spieltag von der Schippe springen konnten, stehen sie aktuell auf einem Playoff-Platz mit Heimvorteil in der ersten Runde! Die neuformierte Mannschaft liefert aber nicht nur Ergebnisse, sie spielt auch einen äußerst attraktiven Basketball, der die Handschrift des Trainers erkennen lässt.

Euer

13 Feb

Vom besten Werfer bis zu den besten Comebacks

Vom besten Werfer bis zu den besten Comebacks

Wir stehen unmittelbar vor dem Pokalfinale. Das heißt, die Saisonmitte ist längst erreicht, und entsprechend möchte ich meine persönlichen Halbzeitawards an Spieler verteilen, die mir bislang aufgefallen sind. Dabei lasse ich aber die Auszeichnungen, die am Saisonende von offizieller Seite vergeben werden, bewusst unberücksichtigt.

Der beste Werfer: Marcus Eriksson

Zugegeben, 44,4% Prozent von der Dreipunktelinie und 87,5% von der Freiwurflinie sind gute Zahlen, aber doch nicht wirklich außergewöhnlich. Jordan Hulls legte zum Beispiel in den letzten Jahren noch stärkere Werte auf. Wer aber daran zweifelt, dass Marcus Eriksson der beste Werfer der Liga ist, der sollte sich noch einmal das unfassbare Trainingsvideo des Schweden anschauen, in dem er 254 von 259 Dreierversuchen durch die Reuse befördert. Da er manchmal auch vom Parkplatz draufhält und als designierter Schütze, dem die Verteidigung auf den Füßen steht, schwierigere Würfe nimmt als andere Spieler, ist seine Dreierquote in der Bewertung einfach höher anzusiedeln als es die nackte Zahl aussagt.

Die Evergreens: Rickey Paulding und Quantez Robertson

Rickey Paulding ist 37 Jahre jung und glänzt mit dem zweitbesten Scoring-Schnitt in seiner mittlerweile 13. Spielzeit in Oldenburg. Die Spielfreude des Kapitäns ist ansteckend, seine Athletik scheint unverwüstlich, wenn wir uns seine kraftvollen Dunkings vor Augen führen. Dieser Mann muss einen persönlichen Jungbrunnen in seinem Keller haben. Tez Robertson ist zwei Jahre jünger als Paulding und eher durchwachsen in die Saison gestartet. Mittlerweile ist er aber wieder der unumstrittene Leader by Example in Frankfurt, der der verletzungsgeplagten Mannschaft Energie und Siegeswillen einimpft. Mit über 36 Minuten pro Begegnung führt er erneut die Liga an und ist mit 2,3 Steals auch wieder der beste Balldieb.

Der nächste Draftpick: Killian Hayes

Killian Hayes ist ungefähr halb so alt wie diese beiden Gallionsfiguren. Aber mit seinen 18 Lenzen spielt er schon eine zentrale Rolle in Ulm. Sein Dreier fällt noch zu inkonstant, aber der Franzose ist schon jetzt ein exzellenter Passgeber aus dem Pick and Roll. Er findet sowohl den abrollenden Spieler in NBA-Manier per Alley oop als auch die Schützen auf der ballentfernten Seite. Letzteres funktioniert deutlich besser, wenn er über seine stärkere linke Hand kommt. Entsprechend ist das Attackieren über rechts neben dem Wurf der Bereich, in dem er sich noch verbessern muss. Ich glaube, dass ihm ein weiteres Jahr in Europa guttäte. Da er aber in den meisten Mock Drafts hoch gehandelt wird, könnte er sich dafür entschieden, schon im Sommer den Atlantik zu überqueren.

Der beste Ergänzungsspieler: Christian Sengfelder

Die Amerikaner benutzen gerne den Begriff des „Complementary Players“, womit sie einen Spieler beschreiben, der hinter den absoluten Topstars des Teams eine wichtige Rolle erfüllt und im Angriff als dritte oder vierte Option fungiert. Bei der Oscar-Verleihung wäre es wahrscheinlich die Auszeichnung für die beste Nebenrolle. Nun wird es Chris Sengfelders Bedeutung für die Bamberger Mannschaft nicht gerecht, ihn so zu klassifizieren. Er ist aber auch nicht der Go-to-Guy oder die zentrale Figur des Systems. Der Power Forward bringt sowohl das Mind- als auch das Skillset mit, um der ideale Complementary Player in einem Topteam zu sein. Einzig seine überschaubare Athletik schlägt negativ zu Buche.

Der am wenigsten beachtete Topspieler: Scott Eatherton

Wie der „Complementary Player“ ist auch der „Unsung Hero“ ein geflügelter Begriff in den USA. Scott Eatherton ist für mich der Spieler, der dauerhaft gute Leistungen zeigt und dafür zu wenig Aufmerksamkeit erhält. Mittlerweile spielt der Braunschweiger Center seine dritte Saison in der Löwenstadt und seine insgesamt vierte in der Liga. Aktuell ist er der beste Rebounder, der viertbeste Scorer und damit insgesamt der effizienteste Spieler. Die Center, die primär in der Öffentlichkeit wahrgenommen werden, sind aber die illustreren Rasid Mahalbasic, Greg Monroe und John Bryant. Das mag auch damit zusammenhängen, dass Eatherton in seiner unaufgeregten und bescheidenen Art nichts ferner liegt als Werbung in eigener Sache.

Die besten Comebacks: Alex Ruoff und Kyan Anderson

 Zwei Akteure aus dem gleichen Verein? Alex Ruoff ist der Spieler mit dem besten saisonübergreifenden Comeback, Kyan Anderson mit dem besten saisoninternen. Ruoff hatte seit seinem Weggang aus Göttingen 2017 seiner Vita nur 19 Spiele in Finnland hinzugefügt. Als er im Dezember zur BG zurückkehrte, war nicht absehbar, was der 33Jährige noch leisten könnte. Jetzt wissen wir es: 11,3 Punkte, 5,1 Rebounds und 4,9 Assists legt der smarte Allrounder auf. Aber noch wichtiger: Seit er im Team steht, haben die Roijakkers-Schützlinge sieben von neun Ligapartien gewonnen. Großen Anteil an der Göttinger Erfolgsgeschichte hat natürlich auch Kyan Anderson. In den ersten fünf Saisonspielen gelangen ihm nur 6,2 Punkte pro Partie bei einer Feldwurfquote von 23,1%. Bennet Hundt schien mit seinem starken Saisonstart den Amerikaner ausgestochen zu haben. Doch spätestens seit Ruoff ihn in der Kreativabteilung entlastet, ist der pfeilschnelle Guard mit 21,3 Punkten für die gegnerischen Verteidigungen zu einem 1-1-Albtraum mutiert.

Euer

28 Jan

Ludwigsburg mischt mit bekanntem Konzept vorne mit

Ludwigsburg mischt mit bekanntem Konzept vorne mit

Nein, ein Meisterschaftskandidat sind die MHP Riesen Ludwigsburg nicht, auch wenn sie die beiden Euroleague-Teilnehmer Bayern München und Alba Berlin geschlagen haben. Die Niederlage am Wochenende in Gießen unterstreicht das. Aber angesichts dessen, was die Mannschaft bislang geleistet hat, besteht auch kein Grund, die Qualität des Tabellenzweiten zu unterschätzen.

Über John Patricks Stil ist schon viel geschrieben worden, dennoch kann ich nicht darauf verzichten, ihm ein paar Zeilen zu widmen – auch deshalb, weil es Leute gibt, die meinen, er habe ihn grundlegend verändert. Das sehe ich anders. Ähnlich wie in der Saison 2017/2018 mit Thomas Walkup ist wieder relativ viel Talent in der Mannschaft, was sich sofort niederschlägt. Das Team ist jünger als in der vergangenen Spielzeit, so dass JP seine Grundsätze mit hoher Intensität umsetzen lassen kann.

Der Stil

Dass sich die Spielweise nicht großartig von den Vorjahren unterscheidet, möchte ich allen Zweiflern mit Zahlen belegen – und die lügen ja bekanntlich deutlich seltener als Donald Trump. Ludwigsburg wirft fast schon traditionell schwache Quoten und trifft als einzige Mannschaft mit 48,5% weniger als die Hälfte seiner Würfe aus dem Zweipunktebereich. Auch die 42,6% Feldwürfe sind absoluter Ligakeller. Woher kommen also die Punkte? Volume Shooting! Der Tabellenzweite nimmt über 67 Würfe pro Partie, das ist Ligabestwert. Erreicht wird diese Zahl, weil die Barockstädter die meisten Offensiv-Rebounds (12,8) wegpflücken und sich als einzige Mannschaft weniger als zehn Ballverluste leisten. Dafür sind die Ludwigsburger aber auch klares Schlusslicht bei den Assists mit schwachen 14,8 Korbvorlagen pro Begegnung. Na klar, wer wenig passt, reduziert die Turnovers. Dieser Wert zeigt aber auch, dass die Offensive weiterhin stark auf 1-1 ausgerichtet ist. In der Defense sind nach wie vor Druck und Physis angesagt. Also, es hat sich nicht wirklich etwas geändert, was den Stil anbelangt.

Das Trio auf den Außenpositionen

Beim spielenden Personal gab es wie eigentlich vor jeder Saison große Veränderungen.

John Patrick findet immer wieder interessante Spieler wie den bereits erwähnten Thomas Walkup, der sich mit seinen kreativen Elementen mittlerweile bei Zalgiris Kaunas als Starter etablieren konnte. Royce O’Neale, der in der Spielzeit 2015/2016 das Ludwigsburger Trikot trug, verlängerte in der letzten Woche seinen Vertrag beim Utah Jazz für schlappe 36 Millionen Dollar um vier Jahre. Während die neuen ausländischen Akteure oftmals Wundertüten sind, kann man bei den deutschen Verpflichtungen immer ganz gut einschätzen, ob ein Spieler passen wird. So ist es nicht verwunderlich, dass Jonas Wohlfarth-Bottermann funktioniert, während Bogdan Radosavjlevic in der Vorsaison schon früh seine Koffer packen musste.

Das Prunkstück der aktuellen Mannschaft ist das Trio auf den Außenpositionen mit Khadeen Carrington, Rückkehrer Marcos Knight, dessen Dreimonatsvertrag bis zum Saisonende verlängert wurde, und Nick Weiler-Babb. Carrington und Knight geben dem Team einen herausragenden Scoring-Punch auf den Guard-Positionen mit über 33 Punkten pro Partie. John Patrick soll einmal gesagt haben, dass der Dreipunktewurf überschätzt sei, aber ich denke, dass er nichts dagegen hat, dass Carrington 43,4% seiner Versuche von Downtown einnetzt und in der Lage ist, Big Plays von jenseits 6,75 Meter zu machen. Knight ist ein unfassbar tougher 1-1-Spieler mit Dreier, Drive, Post-Up und Medium-Range-Game. Dazu reboundet er mit seinen nur 1,88 Meter wie ein Büffel. Weiler-Babb ist ein klassischer Allrounder, ein Schweizer Taschenmesser auf den Außenpositionen. Bereits am zweiten Spieltag legte der Rookie mit 10 Punkten, 11 Rebounds und 12 Assists gegen die Telekom Baskets Bonn ein Triple Double auf.

Das Duo aus dem Unterhaus

Neben dem G-League-Neuzugang Thomas Wimbush und der Nachverpflichtung Cameron Jackson komplettieren Jaleen Smith und Tanner Leissner das Ausländerkontingent in Ludwigsburg, zwei Spieler die in der Vorsaison noch in der Pro A aktiv waren und die belegen, dass es auf die Mischung ankommt. Smith steht immerhin mehr als 27 Minuten auf dem Parkett, auch wenn sein Dreier mit nur 32,1% deutlich schlechter fällt, als in der Vorsaison in Heidelberg. Das zeigt, dass JP ihn fast auf Augenhöhe mit seinen Big Three sieht. Leissner ist ein Spieler nach dem Geschmack des Coaches. Als Power Forward kann er mit seinem Dreier das Feld für die 1-1-Spieler weit machen, vor allem aber ist er ein Kämpfer, der keinen Kontakt scheut und dahin geht, wo es weh tut.

Potenzieller Halbfinalist

Die Niederlage in Gießen unterstreicht, wo es noch hakt. Die Mannschaft macht zu Hause bislang einen extrem stabilen Eindruck, muss aber bei den Auftritten in fremden Hallen mehr Konstanz zeigen. Neben den erklärten Titelfavoriten aus München und Berlin sind die Ludwigsburger zusammen mit den EWE Baskets Oldenburg ein heißer Anwärter auf das Halbfinale. Es ist davon auszugehen, dass die MHP Riesen im Viertelfinale über das Heimrecht verfügen werden. Angesichts der Tatsache, dass sie zu Hause noch ungeschlagen sind, wird dies ein nicht zu unterschätzender Faktor sein.

Euer

15 Jan

Bonn steht unter Druck: Schicksalsspiel für Thomas Päch?

Bonn steht unter Druck: Schicksalsspiel für Thomas Päch?

20 Playoff-Teilnahmen in 23 BBL-Jahren stehen für die Telekom Baskets Bonn zu Buche. Dabei spielten die Rheinländer fünf Finalserien, von denen sie allerdings keine einzige gewinnen konnten. Aber am Samstag (ab 20.15 Uhr bei MagentaSport) steht in Gießen Abstiegskampf pur auf dem Programm. Seit dem hauchdünnen 77:76-Sieg zum Saisonauftakt gegen die Fraport Skyliners konnten die Bonner lediglich das Tabellenschlusslicht aus Weißenfels besiegen. Entsprechend hoch ist der Druck, nachdem zuletzt auch die Heimspiele gegen die angezählten Hamburger und Braunschweiger verloren wurden.

Mit Thomas Päch verpflichteten die Bonner im Sommer einen neuen Head Coach. Der 37Jährige steht, abgesehen von einem kurzen Intermezzo in Berlin, erstmals an vorderster Front. Seine Verpflichtung jetzt als einen Fehler zu klassifizieren, wäre unfair. Stattdessen haben die Bonner bei der Zusammenstellung des Kaders kein glückliches Händchen bewiesen. Hier liegt aus meiner Sicht die Ursache für viele Probleme. In welchen Bereichen ich Defizite sehe, möchte ich nun aufzeigen.

Breite statt Spitze

Die Bonner hatten sich zunächst bewusst für nur fünf Ausländer entschieden. Dies hatte den Vorteil, dass man national und international mit dem gleichen Team auflaufen konnte. Aber gibt es in dieser Mannschaft auch eine Hierarchie? Zehn Akteure spielen bislang zwischen knapp 17 und dem Höchstwert von 24.15 Minuten. Basketballspiele werden in der Spitze und nicht in der Breite entschieden. Die Telekom Baskets verfügten in der Vergangenheit immer wieder über Akteure, die den Unterschied machen konnten. Dafür muss man nicht alle Namen wie Derrick Phelps oder Sasa Nadfeji aufführen. Branden Frazier scheint am ehesten prädestiniert, die Rolle des Go-to-Guys übernehmen zu können. Aber wer außer ihm ist noch in der Lage, aus der Masse hervorzustechen? Angesichts dieses Dilemmas und aufgrund des medialen Drucks hat Sportdirektor Michael Wichterich zwei Nachverpflichtungen getätigt. Mit Alec Brown kam ein 2,16-Mann, der zuletzt in Russland spielte. Aber auch er ist ein Spieler, der sich vom Niveau her eher in die schon vorhandene Struktur einreiht. Zudem gilt er als mental und physisch soft, was man großen Teilen der Mannschaft ohnehin vorwirft. Aus meiner Sicht hätte Bonn ein etwas kleinerer, aber athletischerer Spieler unter den Körben deutlich besser zu Gesicht gestanden. Ein Typ wie Hassan Martin, der letzte Saison in Bayreuth spielte, hätte für mich mehr Sinn ergeben. Mit dem 33jährigen Geno Lawrence holte der Club auf der Spielmacherposition einen alten Bekannten zurück, der schon eher die im Abstiegskampf nötig Toughness verkörpert und dem Spiel mehr Struktur verleihen kann.

Die Altersstruktur

Wer in dieser Mannschaft ist hungrig? Das Durchschnittsalter liegt bei knapp 29 Jahren. Sieht man vom 23Jährigen Stephen Zimmerman ab, der aber nur als Backup Verwendung findet, wurde der Altersschnitt mit den Neuzugängen sogar noch erhöht. Welcher Spieler in Bonn hat großes Verbesserungspotenzial? Diese Frage mag polemisch klingen, verdeutlicht aber einen Teil des Problems. Es spricht nichts gegen Erfahrung, aber gerade bei den neuen Ausländern dürfte dieser Talentlevel auch bei jüngeren Spielern zu finden gewesen sein.

Offensive und defensive Identität

Thomas Päch möchte in der Offensive die Ideen Aitos einbringen. Für die meisten Spieler dürfte dieser Ansatz mit Umstellungsproblemen verbunden sein. Verfügt die Mannschaft über die Spielertypen für diesen Basketball? Schlüsselfigur in Berlin ist Luke Sikma. Vielleicht hätte es Bonn gutgetan, Seth Hinrichs zu verpflichten, der als Power Forward über ähnliche Qualitäten verfügt, aber im Sommer in Ulm unterschrieb. Die Defensive ist aber eine noch größere Baustelle. Nur Aufsteiger Hamburg kassiert mehr Gegenpunkte als die Rheinländer, die 91,9 Zähler pro Begegnung zulassen. Aus dem Zweierbereich werfen die Kontrahenten 63,7 Prozent(!), auch weil keinerlei Rimprotection vorhanden ist (nur 0,7 Blocks pro Spiel). Diese Zahlen werfen die nächste Frage auf: Ist diese Mannschaft athletisch genug?

Schafft Päch den Befreiungsschlag?

Bislang haben die Telekom Baskets Bonn zwei Gesichter gezeigt. Auf der einen Seite stehen der sensationelle Pokalerfolg in München und überwiegend gute Vorstellungen in der Basketball Champions League, die untermauern, dass in dieser Mannschaft deutlich mehr steckt als sie bislang in der Liga gezeigt hat. Aber die Stimmung bei den Fans ist längst gekippt. Thomas Päch ist ein integrer und talentierter Coach. Es ist ihm zu wünschen, dass er das Schiff auf Kurs bekommt. Möglicherweise ist die Partie am Samstag in Gießen seine letzte Chance, das Ruder noch herumzureißen. Dass ausgerechnet jetzt die Bonner auch noch vom Verletzungspech heimgesucht werden, ist für dieses Unterfangen alles andere als hilfreich.

Euer

01 Jan

Warum sich die Euroleague nicht vor der NBA verstecken muss

Warum sich die Euroleague nicht vor der NBA verstecken muss

Noch nie war die Euroleague stärker als in dieser Saison. Hochkaräter wie Shane Larkin oder Nikola Mirotic versüßen den Fans des europäischen Basketballs unter der Woche die Zeit bis zu den nächsten Bundesligaspielen. Mit Meister Bayern München und dem Vize Alba Berlin spielen zwei deutsche Teams in der europäischen Eliteliga. Ich möchte beleuchten, was die Euroleague ausmacht, und die Frage beantworten, warum Sie sich vor der NBA nicht verstecken muss.

Der lebende Beweis: Luka Doncic

Ganz vereinfacht könnte die Antwort „Luka Doncic“ lauten.  Der 20jährige Slowene ist zum jetzigen Zeitpunkt neben James Harden, LeBron James und Giannis Antetokounmpo ein MVP-Kandidat in jener Liga, die mit grenzenlosen Selbstvertrauen ihren Meister zum „World Champion“ kürt. Kein Spieler verdeutlich stärker als das europäische Wunderkind, wie nah der Spitzenbasketball auf dem Alten Kontinent der einstmals in eigenen Sphären schwebenden nordamerikanischen Profiliga gekommen ist. Doncic wurde in Europa groß und gewann 2018 mit Real Madrid die Euroleague, wobei er im Saisonverlauf 16 Punkte, 4,8 Rebounds und 4,3 Assists erzielte. Seine aktuellen Zahlen in der NBA sind schlicht und einfach herausragend: 29,0 Punkte, 9,5 Rebounds und 8,9 Assists. Auf der einen Seite kommen diese Werte zustande, weil die Spielzeit acht Minuten mehr als in Europa beträgt, andererseits befindet sich Doncic in einem Alter, in dem er sich noch ständig verbessert. Aber letztendlich untermauern Sie vor allem Eines: Die Euroleague ist verdammt nahe am NBA-Niveau dran.

Individuelles Talent versus taktische Komplexität

Die besten Spieler der Welt tummeln sich in der NBA, aber der beste Basketball der Welt wird in der Euroleague gespielt – das klingt überspitzt, aber es lassen sich durchaus Argumente für diese Aussage finden. Natürlich ist der individuelle Talentlevel in der NBA weiterhin unerreicht, insbesondere im athletischen Bereich versammelt sich dort das Nonplusultra. Aber in einem Euroleague-Spiel ist jede Sequenz hoch umkämpft, anders als in der NBA, wo die Intensität deutlich volatiler ist. Das kommt auch daher, dass es in Europa weniger Partien gibt und somit jede einzelne eine größere Bedeutung gewinnt. Die Hauptrunde in der NBA umfasst 82 Spiele, was dazu führt, dass die Stars auch hier und da geschont werden. Load Management in der Euroleague? Fehlanzeige!

Starke Verteidigung spielt in Europa eine deutlich wichtigere Rolle. Die taktische Komplexität ist größer als in der NBA, wo das 1-1 stärker im Vordergrund steht. Das erkennen mittlerweile auch die Amerikaner an. Als Larry Brown, der als einziger Coach einen College- und NBA-Titel gewonnen hat, in der vergangenen Saison im Alter von 77 Jahren in Turin erstmals in Europa coachte, sagte er: „Allgemein wird angenommen, dass die besten Coaches Amerikaner sind. Jedes Mal, wenn ich ein Eurocup- oder Euroleague-Spiel sah, musste ich darüber lachen, weil mich das Niveau des Coachings so sehr beeindruckte.“ Die Rolle der Amerikaner als Lehrer und die der Europäer als Schüler ist längst aufgebrochen zugunsten eines Transfers in beide Richtungen. Spätestens die WM in China im September öffnete den letzten Unbelehrbaren die Augen. Die – wenn auch ohne absolute Topstars angetretene – NBA-Auswahl der USA belegte einen enttäuschenden 7. Platz.

Europa holt auch finanziell auf

Die Euroleague hat sich mittlerweile so gut etabliert, dass auch etablierte NBA-Profis nach Europa kommen bzw. zurückkehren. So gelang es den Bayern, mit dem 29Jährigen Greg Monroe einen gestandenen NBA-Center (Karrierewerte 13,2 Punkte und 8,3 Rebounds) im besten Basketballalter nach München zu lotsen. Das prominentestete Beispiel ist aber Nikola Mirotic. Der 28Jährige unterschrieb nach fünf produktiven Jahren in Nordamerika einen Dreijahresvertrag in Barcelona, der ihm angeblich 4,5 Millionen Euro netto pro Saison einbringen soll. Qualität kostet Geld. In der Euroleague ist genügend Geld vorhanden, und entsprechend hoch ist das sportliche Niveau. Die Topteams agieren mit Budgets von über 40 Millionen Euro. Davon ist sind die Münchner mit geschätzten 23 Millionen Euro Etat noch weit entfernt, während die Berliner mit (ebenfalls geschätzten) 11 Millionen nur noch von Roter Stern Belgrad unterboten werden.

Mit den Big Men Johannes Voigtmann (ZSKA Moskau) und Tibor Pleiß (Anadolu Efes Istanbul) stehen zwei deutsche Akteure bei ausländischen Euroleague-Topteams unter Vertrag. Am 27jährigen Voigtmann waren im Sommer auch die Washington Wizards aus der NBA interessiert. Doch der Ex-Frankfurter zog es vor, für 1,1 Millionen Euro netto pro Spielzeit aus dem spanischen Vitoria zum amtierenden Champion der Euroleague zu wechseln. Auch diese Entscheidung zeigt, wie die sportliche, organisatorische und auch monetäre Qualität der europäischen Königsklasse bewertet wird.

Quo vadis?

Mit dem aktuellen Format von 18 Mannschaften und den damit verbundenen 34 Hauptrundenspieltagen ist die Euroleague an eine Grenze gestoßen. Mehr geht nicht. Es sei denn, ihre Teams spielen nicht mehr in den nationalen Wettbewerben. Dieses Szenario ist aber leider nicht unrealistisch. Bereits jetzt verfügen elf Teams über sogenannte A-Lizenzen. Das bedeutet, dass sie sich sportlich nicht qualifizieren müssen. CEO Jordi Bertomeu wird diese Zahl weiter erhöhen und eine Qualifikation über die nationalen Ligen komplett ausschließen. Eine geschlossene Gesellschaft wie in der NBA passt nicht in die europäische Sportlandschaft, aber die Euroleague nähert sich in vielen Bereichen dem großen Vorbild an.

Ich wünsche Euch ein glückliches und gesundes 2020.

Euer

17 Dez

Bennet Hundt trotzt dem Trend

Bennet Hundt trotzt dem Trend

Nick Calathes ist 1,98 Meter groß. Der Grieche ist mit seiner Länge eine Art Prototyp des modernen Spielmachers im europäischen Spitzenbasketball. Mit 8,8 Assists führt er die Euroleague bei den Korbvorlagen an, in der vergangenen Spielzeit wurde er zum besten Spieler auf seiner Position gewählt. Doch im mit Spannung erwarteten griechischen Duell gegen Olympiakos Piräus in der vorletzten Woche stahl ihm sein Back-up bei Panathinaikos Athen die Schau. Mein Ex-Spieler Tyrese Rice erzielte im griechischen Euroleague-Derby 41 Punkte. Dabei ist er mit einer Größe von nur 1,80 Meter beinahe schon ein antiquierter Gegenentwurf in einer Zeit, in der die Spieler auf den Guard-Positionen immer größer werden. Aber ist es gibt genug Beispiele, dass herausragende Akteure mit überschaubarer Körpergröße dem Spiel ihren Stempel aufdrücken können. Der nur 1,67 Meter große David Holston, ebenfalls ein ehemaliger und ganz besonderer Spieler von mir, gewann in der vergangenen Saison den Titel des wertvollsten Spielers in Frankreich. Vor allem aber ist der derzeit beste Basketballer in Europa ebenfalls kein Riese. Shane Larkin von Anadolu Efes Istanbul misst 1,80 Meter und erzielte neben seinen konstanten herausragenden Leistungen vor zwei Wochen mit 49 Punkten gegen Bayern München einen fantastischen Euroleague-Rekord.

Sprössling einer Basketballfamilie

Auch in Deutschland sorgt ein junger Akteur, der gerade einmal 180 cm misst, für Furore. Bennet Hundt, von der BG Göttingen, gehört zu den Entdeckungen der Saison und ist ein legitimer Kandidat für die Auszeichnung des besten Nachwuchsspielers. Bislang legt er starke 12 Punkte und 5,3 Assists auf. Der 21Jährige stammt aus einer basketballverrückten Familie. Sein Vater spielte in der 2. Liga, seine Mutter – genauso wie deren Schwester und Bruder – in der Jugendnationalmannschaft. Sein älterer Bruder Jannes läuft aktuell für den Zweitligisten Artland Dragons auf. „Ich war von klein auf in Hallen, Basketball war immer ein Thema in unserer Familie“, erinnert er sich. Hundt ist in Berlin aufgewachsen, entschied sich aber im Sommer dazu, die Hauptstadt und das Programm von Alba zu verlassen: „In Berlin gab es keinen wirklichen Platz. Es war an der Zeit, den nächsten Schritt zu gehen.“

Längennachteile wettmachen

In Göttingen erhält er Vertrauen und Spielzeit. Dass Hundt, der bei U20-EM 2018 die Bronzemedaille gewann, aber so einschlagen würde, hatte trotz seines guten Basketball-IQs und seiner exzellenten Arbeitseinstellung kaum jemand erwartet. Defensiv ist der Linkshänder ein unangenehmer Gegenspieler, der es als Kompliment empfindet, dass ihm eine Terrier-Mentalität nachgesagt wird. „Ich muss meinen Größennachteil durch Kampf, Energie und Einsatz wettmachen und dabei meinen tiefen Körperschwerpunkt nutzen“, erläutert er. Hundt glaubt, dass man als kleiner Spieler mental stark sein muss, vor allem aber sehr aufmerksam, dass man in der Verteidigung nicht in schwierige Positionen gebracht wird.

„Das Maximale herausholen“

Sein Credo ist es, in allen Dingen besser zu sein, die nichts mit Größe zu tun haben: Dribbeln, passen, werfen. „Ich sehe auch meine Vorteile. Ich bin wendiger und kann tiefer attackieren“, sagt Hundt, der es nicht als problematisch empfindet, ein kleiner Basketballer zu sein: „Das fällt mir gar nicht mehr auf. Ich war schon immer der Kleinste.“ Trotz dieses vermeintlichen körperlichen Nachteils gehörte seine Liebe von Kindesbeinen an dem Basketball, auch wenn er sich beim Fußball und Tennis versuchte. Echte Vorbilder habe er keine gehabt, aber heute wie damals liegt sein Fokus auf den kleinen Spielern, wenn er sich eine Partie ansieht. Aktuell schaut er sich gerne Dinge bei Facundo Campazzo (Real Madrid) und Ali Muhammed (Fenerbahce Istanbul) ab, um seine Entwicklung voranzutreiben: „Ich möchte mich verbessern. Am Ende will ich sagen können, dass ich das Maximale herausgeholt habe.“ Wenn er weiterhin auf dem bislang gezeigten Niveau agiert, dürften die Interessenten im Sommer Schlange stehen.

Euer

27 Nov

Die Bedeutung von Lo, Zipser und Barthel für die Bayern

Die Bedeutung von Lo, Zipser und Barthel für die Bayern

Wer in der Euroleague antritt, benötigt einen tiefen und qualitativ hochwertigen Kader. Das war auch den Verantwortlichen des Deutschen Meisters Bayern München bewusst, als sie im Sommer eine Mannschaft zusammenstellten, die der Doppelbelastung der europäischen Eliteklasse und der Bundesliga gerecht werden sollte. Zwölf Spieler dürfen pro Begegnung eingesetzt werden.14 Akteure stehen in München unter Vertrag, die man auf diesem Niveau einsetzen kann. Ein Kader, wie es ihn bei einer deutschen Mannschaft noch nie gab. Dennoch spüren die Bayern schon jetzt, wie anstrengend diese Saison mit mindestens 67 Pflichtspielen sein wird. Mit dem neuen Spielmacher T.J. Bray und dem NBA-erfahrenen Forward Josh Huestis haben zwei Schlüsselfiguren verletzungsbedingt noch kein einziges Spiel bestritten. Bei Bray wird es wohl bis Ende des Jahres dauern, bevor an erste Ansätze zu denken ist. Huestis Rückkehr ist ein Mysterium. Immer wieder gab es Meldungen, dass er kurz vor dem Comeback stünde. Bewahrheitet haben sie sich bislang nicht. Zuletzt musste dann auch noch der zuverlässige Nihad Djedovic mit einer Kniereizung passen.

In der Euroleague muss man auswärts gewinnen

Doch das große Ziel der Playoff-Teilnahme in der Euroleague können die Bayern nur mit voller Kapelle erreichen, und wenn sie es schaffen, auswärts zu gewinnen. Der Deutsche Meister holte seine vier Siege ausschließlich zu Hause (leistete sich aber auch schon zwei Heimniederlagen) und landete dabei den Prestigeerfolg gegen Real Madrid. Auf fremdem Terrain sind die Schützlinge von Dejan Radonjic aber noch sieglos. Genau hier dürfte sich die Spreu vom Weizen trennen. Die Mannschaften, die auch auswärts gewinnen können, werden in die Playoffs einziehen.

Die Münchner haben kräftig aufgerüstet, aber Gleiches gilt für fast alle Euroleague-Teams. Die Qualität ist so hoch wie noch nie zuvor. Da tut es besonders weh, dass mit Bray ausgerechnet der Starter auf der Königsposition länger ausfällt. Auf der anderen Seite hat Maodo Lo die Chance beim Schopf ergriffen. Der Nationalspieler zeigt sich in einer blendenden Verfassung und legt wieder jene Leichtfüßigkeit an den Tag, die ihm zwischenzeitlich einmal abhandengekommen zu sein schien. Ob er es allerdings bis zum Jahresende schafft, diese Rolle auszufüllen, ist fraglich, auch weil der als Bray-Ersatz verpflichtete DeMarcus Nelson bislang nur partiell überzeugen konnte. Dennoch verneinen die Bayern Spekulationen, dass sie auf dieser Position noch nach einer Verstärkung Ausschau halten.

Am Brett hingegen sind die Münchner stark aufgestellt. Greg Monroe findet sich immer besser im europäischen Basketball zurecht. Der in neun NBA-Spielzeiten gestählte Center entwickelt sich zu einer dominanten Figur und zeigt zudem als Passgeber ungeahnte Fähigkeiten. Aber der Kader der Bayern ist nicht komplett auf den kurzfristigen Erfolg getrimmt. Mit dem Franzosen Mathias Lessort (24 Jahre) und dem Italiener Diego Flaccadori (23 Jahre) haben zwei Ausländer ihren Platz eher über vielsprechende Perspektiven als über aktuelles Euroleague-Niveau gefunden. Umso wichtiger sind die Leistungen der drei deutschen Nationalspieler Maodo Lo, Paul Zipser und Danilo Barthel.

Maodo Lo

Maodo Lo spielt den besten Basketball seiner Karriere und ist momentan der wichtigste Mann der Bayern. Wie er seit Saisonbeginn den Ausfall von T.J. Bray in der Euroleague kompensiert, ist beeindruckend. Seine Dreierquote ist herausragend. Der 26Jährige kommt mit seiner Leichtfüßigkeit zum Korb und kann sich den Dreier aus dem Dribbling kreieren. Mir gefällt nicht nur extrem gut, wie er sich bei diesen Aktionen präsentiert, sondern auch danach. In einer Zeit, in der die Selbstdarstellung mit übertriebener Gestik und Mimik zum Standard gehört, in der ein echter oder vermeintlicher Swagger zur Schau gestellt werden muss, empfinde ich seine bescheidene Zurückhaltung als äußerst angenehm. Die Leistungen des Guards sind ein Thema in Europa. Dementsprechend dürfte die von den Bayern angestrebte Vertragsverlängerung nicht einfach werden.

Paul Zipser

Angesichts der Verletzungsproblematik in der jüngeren Vergangenheit kam es nicht überraschend, dass die WM für Paul Zipser nur suboptimal verlief. Aber der Richtungspfeil zeigt jetzt wieder gen Norden. Der 25Jährige ist kein Spezialist, sondern eher ein Schweizer Taschenmesser, bei dem langsam aber sicher alle Klingen wieder an Schärfe gewinnen. Zipser kann offensiv wie defensiv drei verschiedene Positionen spielen. Als großer Zweier kann im Low Post Schaden anrichten, als Small-Ball-Vierer Close-outs effektiv attackieren, so dass ihn Dejan Radonjic von seiner Stammposition Small Forward bedenkenlos nach unten oder oben schieben kann. In der BBL ist er bester Scorer und effektivster Spieler der Bayern, und auch international spielt er sich immer mehr in den Vordergrund.

Danilo Barthel

Glue Guy – dieser Begriff wurde in meiner Erinnerung im deutschen Basketball erstmals für den heutigen Bundestrainer Henrik Rödl verwendet. Er definiert einen Spieler, der eine Mannschaft zusammenhält, weil er nicht für das Spektakuläre verantwortlich zeichnet, sondern als „Klebstoff“ die Teile dadurch miteinander verbindet, indem er alle (vermeintlichen) Kleinigkeiten richtig macht. Genau dieser Typ ist in meinen Augen Danilo Barthel für die Bayern. Viele hätten ihn bei der WM gerne häufiger auf dem Parkett gesehen, aber die Konkurrenz auf den großen Positionen war enorm. Barthel kann im Prinzip jeden Power Forward aufposten. Er hat den Körperschwerpunkt immer da, wo er hingehört, verfügt über gute Fußarbeit, geduldige Täuschungen und die Fähigkeit am Ring mit beiden Händen abzuschließen. Barthel ist ein Souverän auf dem Feld, ohne dass er permanent Aktionen setzen muss. Der 28Jährige ist der gestandene Kapitän einer Meistermannschaft, der über die Klasse verfügt, jederzeit dem Spiel seinen Stempel aufzudrücken.

Lo, Zipser und Barthel tragen ganz entscheidend zur Qualität der Münchner bei. Das DBB-Trio steht in der Crunch-Time nicht in der zweiten Reihe, sondern übernimmt Verantwortung und wird dieser auch gerecht. Vor allem Maodo Lo brilliert in diesen Momenten mit seinen technischen Fertigkeiten und seiner Nervenstärke. Er hat das Zeug zu einem echten Clutch-Player.

Euer