Neuer Name, neuer Modus: Der Pokal ist attraktiver geworden

Neuer Name, neuer Modus: Der Pokal ist attraktiver geworden

Seit 1967 wird im deutschen Basketball der Pokal ausgespielt, und nur absolute Obernerds wissen – ohne nachzuschlagen – dass der VfL Osnabrück der erste Titelträger war. Seit heute firmiert der Wettbewerb unter dem Namen MagentaSport BBL Pokal. Die Modi, nach denen er ausgetragen wurde, änderten sich mehrmals.  Bis 1992 wurde der Pokal im klassischen K.o.-Modus ausgespielt, teilweise im Finale mit Hin- und Rückspiel. Von 1992/1993 bis 2017/2018 fand die Pokalendrunde als Top Four mit Halbfinale und Finale statt, wobei ab der Saison 2009/2010 der Gastgeber automatisch teilnahmeberechtigt war und die drei anderen Teilnehmer nach der BBL-Hinrunde auf Grundlage einer eigenen Pokaltabelle (ohne den Ausrichter) in Qualifikationsspielen ermittelt wurden. Seit dieser Spielzeit gilt wieder der K.o.-Modus, wobei die 16 Erstligisten der Vorsaison teilnahmeberechtigt sind und nach jeder Runde neu ausgelost wird. Das Finale ist auf den 17. Februar 2019 terminiert.

Die Schwächen des alten Modus

Zugegeben, das Top Four hatte schon einen gewissen Happening-Charakter. Die Basketballgemeinde traf sich, Fanfreundschaften wurden geschlossen, und es wurde einfach gemeinsam gefeiert. Dieser gesellschaftliche Aspekt hatte beinahe schon Teambuildingcharakter und fällt jetzt leider weg. Aber die Schwächen des alten Modus waren offensichtlich und wurden in den letzten Jahren auch immer wieder thematisiert. War es angemessen, dass sich ein Team Pokalsieger in den Briefkopf drucken lassen darf, das möglicherweise nicht mehr als zwei Heimspiele dafür gewinnen musste? War es fair, dass nur eine begrenzte Zahl an Vereinen aufgrund der Hallensituation vor Ort überhaupt die Chance hatte, das Privileg der qualifikationslosen Ausrichtung genießen zu können? Ich beantworte beiden Fragen mit einem klaren Nein!

2011 stand ich mit den Artland Dragons im Top Four in Bamberg, und wir unterlagen den Gastgebern im Halbfinale nach Verlängerung. Hinterher hatten alle unsere Spieler und wir Coaches das Gefühl, dass wir in jeder anderen Halle das Spiel und dann am nächsten Tag auch den Pokal gewonnen hätten. Das mag eine komplett subjektiv gefärbte Fehleinschätzung sein, aber ich bin sicher, dass viele Mannschaften, die gegen die Heimteams verloren, ähnliche Gedanken hatten.

Die Stärken des neuen Modus

Zunächst einmal bedeutet die neue Praxis schlicht und einfach mehr Pokalcharakter und Pokalfeeling. Jede Runde wird neu ausgelost, und das impliziert, dass vielleicht schon im Achtel- oder Viertelfinale zwei der Topfavoriten aufeinandertreffen können. Im Umkehrschluss gibt dies einem vermeintlichen Außenseiter die Chance, weit im Wettbewerb zu kommen – möglicherweise bis ins Finale. Wenn es dann die Losfee noch einmal gut meint und dem Underdog den Heimvorteil beschert, stehen die Türen für eine Überraschung zumindest offen. Achtel- und Viertelfinale sind bereits gespielt und noch dürfen sich Frankfurt, Berlin, Bamberg und Bonn Hoffnungen auf den Titel machen.

Gibt es doch ein Haar in der Suppe?

Wer unbedingt will, kann auch beim neuen Modus Haare in der Suppe finden. Für mich gilt dies aber nicht. Wenn ich höre, dass es unfair sei, dass die Absteiger bzw. die Aufsteiger nicht dabei seien, dann kontere ich, dass der Wettbewerb unter diesen Vorgaben mathematisch mit 18 Teams nicht funktionieren kann. Mit der manchmal geforderten Hinzunahme der Zweitligisten kann ich noch weniger anfangen. Wie soll das darstellbar sein angesichts der Tatsache, dass die Hälfte der Erstligisten auch international spielt? Zudem müsste zumindest für die Duelle BBL – Pro A eine Pokalausländerregel gefunden werden. Zwar standen mit Bayreuth (1993), Landshut (1995) und Rhöndorf (2000) drei Zweitligisten im Halbfinale eines Top Fours, aber ganz ehrlich, die riesengroßen Pokalsensationen wie im Fußball, bei denen unterklassige Teams die Erstligisten aus dem Wettbewerb kegeln, gab es im Basketball in dieser Form nie. Betrachtet man alle Rahmenbedingungen, die berücksichtigt werden müssen, dann ist der neue Modus in meinen Augen eine glatte Eins mit Sternchen!

Euer

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