23 Jan

Pedro Calles – Ein Spanier sorgt für Sommer in Vechta

Pedro Calles – Ein Spanier sorgt für Sommer in Vechta

Als ich mich Anfang November erstmals mit der tollen Entwicklung von RASTA Vechta näher befasste, unterhielt ich mich auch mit T.J. Bray. Ich erinnere mich noch genau an die ersten Worte, die mir der effizienteste Spieler der Bob-Marley-Jünger als Erklärung für die Auftritte seines Teams präsentierte: „Hier beginnt alles mit Pedro. Es ist leicht, für ihn zu spielen, weil er so stringent in seinen Anforderungen ist.“ Mittlerweile rockt der „geilste Club der Welt“ die Basketball-Bundesliga, und es ist allerhöchste Zeit, den Werdegang und die Philosophie von Head Coach Pedro Calles zu beleuchten.

Ich kenne Pedro seit 2012. Zu dieser Zeit war ich Coach bei den Artland Dragons und auf der Suche nach einem neuen Athletiktrainer, weil sich Stefan Bramlage mit einem Fitnessstudio selbstständig gemacht hatte. Unser Geschäftsführer Alex Meilwes schlug einen Spanier vor, den er während eines Auslandssemesters in Finnland kennengelernt hat. Nach einem Gespräch mit diesem jungen Mann war ich sicher, dass er uns Trainerteam fachlich und menschlich bereichern würde – und so kam Pedro Calles 2012 nach Deutschland. Nach meinem Abschied 2013 fungierte der diplomierte Sportwissenschaftler und Inhaber einer spanischen A-Trainer-Lizenz unter Tyron McCoy als Assistant Coach. Als sich die Dragons 2015 aus der Beletage verabschiedeten, heuerte er im nur knapp 30 Kilometer entfernten Vechta als Co-Trainer an. Bereits 2013 war ihm seine Frau, eine Tierärztin, nach Deutschland gefolgt. Seit September sind sie stolze Eltern eines Sohnes.

Im Sommer 2018 übernahm Pedro Calles beim Aufsteiger RASTA Vechta die Verantwortung. Seine Maxime vor der Saison hieß „Charakter ist wichtiger als Talent“, und seine Spielidee ist der Aítos sehr ähnlich, dessen Einfluss auf seine Philosophie er auch hervorhebt. Für Pedro sind Grundlagen und Prinzipien wichtiger als taktische Systeme und das Scouten des Kontrahenten. Im Training verbringt der 35Jährige viel Zeit damit, das Entscheidungsverhalten seiner Spieler zu optimieren, wobei er der Verteidigung eine größere Rolle als dem Angriff zuweist: „Mit der Verteidigung kann man das Spiel stärker beeinflussen“, ist er überzeugt. Dazu greift er gerne auf seine Run-and-Jump-Verteidigung zurück, die in der Liga viel Schrecken verbreitet: Einer seiner Akteure verlässt seinen Gegenspieler, um den Ballbesitzer überraschend zu doppeln. Die anderen Verteidiger rotieren dann nach, um die Passwege zu schließen. Wichtig ist, dass die Spieler selbst entscheiden, wann sie eine Run-and-Jump-Aktion starten wollen.

Das offensive Markenzeichen neben dem durch die Ballgewinne etablierten Fast Break heißt drive, kick und Extrapass – am liebsten zum Dreipunktewurf. Vechta nimmt die meisten langen Würfe der Liga. Als Gründe dafür nennt Pedro Calles sein Personal und die Erkenntnisse aus den Advanced Stats.

Sein Team zeichnet sich durch großen Zusammenhalt aus, das spürt jeder, der sich ein Spiel des Aufsteigers anschaut. Genauso deutlich ist auch erkennbar, dass Vechta über viel Selbstvertrauen, und damit verbunden den Glauben in jedem Spiel wettbewerbsfähig zu sein, verfügt. Das ist auch deshalb beachtlich, weil die Mannschaft die ersten drei Partien verloren hatte.

„Hier beginnt alles mit Pedro!“: Es war ein genialer Schachzug von Sponsor und Geschäftsführer Stefan Niemeyer, den 35Jährigen zum Head Coach zu machen. Pedro ist nicht nur ein großartiger Trainer und heißer Kandidat für die Auszeichnung „Coach of the Year“, sondern auch ein absoluter Sympathieträger in der niedersächsischen Kleinstadt. Der Klassenerhalt ist schon so gut wie in trockenen Tüchern. Sollte Calles den bislang eingeschlagenen Weg 2019/20 fortsetzen, wird er nicht mehr zu halten sein. Neben dem Interesse gut betuchter BBL-Clubs könnte es auch Vereine aus der spanischen ACB geben, die den smarten Senkrechtstarter verpflichten wollen.

 

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